Teilzeitbeschäftigung (TLZ) an der MUW ist ein kontroversielles Thema. Abhängig vom Befragten erhält man unterschiedliche Stellungnahmen.
Der sozial- und gesellschaftspolitische Aspekt:
Die vorhandene Arbeit kann mit Teilzeitbeschäftigung auf möglichst viele ArbeitnehmerInnen verteilt werden („mehr Menschen haben Arbeit“, allerdings zu geringerer Entlohnung).
Der Aspekt der Chancengleichheit:
Bei der Untersuchung der Auswirkung der TLZ auf Frauen und Männer kann eine berufliche Benachteiligung Teilzeitbeschäftigter bemerkt werden (inkomplette Informationsflüsse aus dem Betrieb; Verschlechterung des Arbeitsklimas; Verschlechterung der Karrieremöglichkeiten; mögliche Behinderung der Gleichstellung).
Der gesetzliche Aspekt:
Gesetzlich geregelter Anspruch: §15h Mutterschutzgesetz, §8 Väterkarenzgesetz, Elternteilzeitbeschäftigung; §19d AZG. Bei Mehrzeiten: 25% Zuschlag. Nachtdienste von Teilzeit-Beschäftigten werden nur zu 2/3 bezahlt (vorgesehene gesetzliche Erhöhung auf 5/6).
Die Aspekte des Personalbüros:
a) Mehr Teilzeitbeschäftigte erfordern eine höhere Anzahl von Verwaltungspersonal (Die Zahl der betreuten Beschäftigten pro Verwaltungsperson muss gleich bleiben. Ein erhöhter Verwaltungsaufwand erfolgt derzeit nicht auf Kosten der Planstellen. Zur Zeit werden praktisch alle Planstellen nachbesetzt).
b) Außerdem kosten z.B. zwei teilzeitbeschäftigte FachärztInnen die MUW 60,-EUR/Monat mehr als ein(e) Vollzeitbeschäftigte(r); das waren über 4500,-EUR/Monat bei 153 teilzeitbeschäftigten FachärztInnen im Jahr 2006.
Der Aspekt der Abteilung:
Selten findet sich ein(e) FachärztIn für die zweite Teilzeitstelle. Das heißt, die Abteilung bleibt mit einer halben Stelle unterbesetzt.
Die Aspekte der betroffenen MitarbeiterInnen:
Pro TLZ:
Positive Work-Life Balance. Prävention gegen Burnout. Entlastung von Routinearbeit, Erholung zwischendurch. Zeit für Publikationen und Literaturstudium. Familie und Beziehungen bekommen mehr Raum. Sozialleben profitiert. Zufriedenheit steigt. Blockarbeitszeiten geben optimale Zeitbudgets. Geringere Abhängigkeiten von externen, z.T. unflexiblen Kinderbetreuungsstellen und –zeiten.
Kontra TLZ:
Konkurrenzdenken. Leistungsdenken. Erwartbare Karrierenachteile (weg von der Arbeitsstelle, vergessene MitarbeiterInnen). Missgünstige MitarbeiterInnen und ChefInnen. Keine vollständige Team-Integration. Erhöhter Organisations- und Kommunikationsaufwand. Finanzielle Einbußen; deshalb finanzielle Abhängigkeiten. Mehrfachbelastungen durch außerdienstliche Verpflichtungen im Privatleben. Lehre, Forschung und Routinearbeit zu kombinieren ist schwierig. Geringere Pensionsbeitragshöhe. Unterbezahlte Nachtdienste. Teamzusammenkünfte schwieriger. Informationsdefizit. Pausen fallen weg (Anspruch erst ab der sechsten Arbeitsstunde).
Teilzeit-Facts:
Mehr Frauen als Männer (410 vs. 371) nahmen im Jahr 2006 TLZ an der MUW insgesamt in Anspruch. Umgekehrt ist es an der Gyn und der Zahnklinik. Begründungen: Familie (bei Frauen), Ordination (bei Männern). Im Wesentlichen hängt es von den beruflichen und privaten Zielen des/der einzelnen Betroffenen ab, ob Teilzeitbeschäftigung als vorwiegend zweckmäßig oder als nachteilig empfunden wird.
K. Heimberger