

Verschiedene Ansichten über das Klinische Praktikumjahr (KPJ) haben MedUni Wien und VSStÖ (Verband Sozialistischer Studentinnen und Studenten). “Praxisorientierung und Übung ärztlicher Fertigkeiten” stehen Umsetzungsmängel “48 Wochen Gratisarbeit ohne verpflichtende Verpflegung und Unterkunft in Spitälern ganz Österreichs” gegenüber. Eine weitere sozial-selektive Maßnahme bei Studierwilligen würde 2014 eingeführt.
MedUni Wien (Link): Letztes Studienjahr ab 2014/15 als Klinisch praktisches Jahr
Wien (OTS) <…> Im klinisch-praktischen Jahr (KPJ) sollen die Studierenden die in den vorangegangenen fünf Studienjahren erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten gemäß dem österreichischen Kompetenzkatalog vertiefen. Dieser von den österreichischen Medizin-Universitäten gemeinsam erstellte Katalog für ärztliche Fertigkeiten bildet die Basis des klinisch-praktischen Jahres, das eine praktische Ausbildung im Umfang von 48 Wochen vorsieht. “Im praktischen Jahr wird die fachliche Ausbildung um die praxisbezogene umfassende Tätigkeit am Krankenbett, die Teilnahme an klinischen Besprechungen und die längerfristige Einbindung und Erprobung im Team komplettiert”, erklärt Karin Gutiérrez-Lobos, Vizerektorin für Lehre an der MedUni Wien. “Es stellt eine wichtige Weiterentwicklung des Wiener Medizin-Curriculums im Sinne der Qualitätssteigerung dar. Es freut mich, dass es den Medizin-Unis gelungen ist, gemeinsame Standards festzulegen.” <…>
VSStÖ (Link): Medizin studieren wird künftig für sozial schwache Studierende noch unmöglicher
Wien (OTS) - Künftig sollen Studierende 48 Wochen lang 35 Stunden pro Woche kostenlos und ohne jegliche soziale Absicherung in Krankenanstalten in ganz Österreich arbeiten”, so Miriijam Müller, Bundesvorsitzende des Verband sozialistischer StudentInnen (VSStÖ) und selbst Medizinstudentin an der Medizinischen Universität Wien. “Der neue Studienplan birgt viele Tücken in sich. Auch wenn die Verbesserung der klinischen Ausbildung durch Einführung des Praktischen Jahres grundsätzlich begrüßenswert ist, so schlecht ist die geplante Umsetzung. Bisher gibt es keine definierten Übergangsregelungen, für viele ändert sich mitten im Studium der komplette Studienplan. “Für Studierende mit Betreuungspflichten und jene, die arbeiten müssen um ihr Studium finanzieren zu können, ist der neue Studienplan eine reine Katastrophe. Die Krankenanstalten, in denen das KPJ absolviert wird, befinden sich in ganz Österreich, was eine zusätzliche finanzielle Belastung darstellt, da weder Unterkünfte noch Verpflegung verpflichtend zur Verfügung gestellt werden müssen.
Die Studierendensozialerhebung zeigt, dass vor allem ältere Studierende massiv armutsgefährdet sind und zu einem Drittel bereits unter der Armutsgrenze leben. Die Kürzung der Familienbeihilfe hat diese Situation weiter verschärft. Nein zu einem derartig unsozialen Praktischen Jahr!”

ÖH Medizin (Link): <…> “Die MUW macht dadurch einen großen Schritt in Richtung mehr Praxis und einer verbesserten klinischen Ausbildung während des Studiums. Durch die Möglichkeit Teile davon im Ausland zu absolvieren wird zusätzlich die Internationalität gefördert”, so Christian Orasche, Vorsitzender der ÖH Medizin Wien. ”In den letzten Jahren wurde massiv an der Entwicklung des praktischen Jahres gearbeitet. Dabei wurde speziell auf eine studierendenfreundliche Umsetzung geachtet, sodass Studierende nicht zu billigen Arbeitskräften in den Krankenhäusern degradiert werden und eine verbesserte qualitätsgesicherte klinisch-praktische Ausbildung für unsere Studierenden gewährleistet wird.”, erklärt Michael Wagner, Vorsitzender der Studienvertretung für Humanmedizin. “Dadurch werden Studierende besser ins Team der Ärzte integriert. <…> zukünftigen Entwicklung des praktischen Jahrs auch kritisch gegenüberstehen. Ein praktisches Jahr im Umfang von 48 Wochen bedeutet eine zeitintensivere Ausbildung als bisher. Studierende, die sich ihr Studium selbst finanzieren oder bereits ein Kind haben, dürfen nicht auf der Strecke bleiben”, warnt der ÖH Medizin Vorsitzende. “Deswegen muss die Universität jenen Studierenden finanziell unter die Arme greifen. Wir werden uns weiter dafür einsetzen, dass die MUW sie mit finanziellen Mitteln unterstützt.”