Betriebsrat-Kampagne “Rettet das AKH”. Eine Zwischenbilanz

Wenn am Anfang einer Kampagne ihre Ziele definiert wurden, kann man am Ende unschwer über Erreichtes und Misslungenes Bilanz ziehen. Die gegenwärtige Kampagne ist keineswegs beendet. Deshalb: Zwischenbilanz.

Ein Drittel der Forderungen wird erfüllt sein, wenn der Minister das Geld für die notwendige Zahl an Journaldiensten ab 1.2.2012 überweist. Die anderen zwei Forderungen des Betriebsrats (BR) sind nicht erfüllt worden:

  1. Nachbesetzung der bisher nicht nachbesetzten 68 Dienstposten.
  2. Komplette Rücknahme des weiter intendierten Aufnahmestopps (auch Vermeidung „restriktiver“ Aufnahmepolitik)

Man könnte bisher von 33%-Erfolg
oder 
66%-Misserfolg sprechen

Aber es gibt Kollateral-Benefits, das sind Erfolge, mit denen man nicht sicher rechnen konnte, die auch anfangs nicht öffentlich formuliert waren, aber die man intern erwartet hatte und deren Fortbestand für PatientInnenversorgung und Verbesserungen der Arbeitsbedingungen nützlich wären:

  • Das Interesse der Medien: Print, Tele und Web, die über mehrere Wochen fast täglich berichteten
  • Der Kommunikationserfolg: die an sich schwierige Thematik des AKH-Strukturdualismus und die sich daraus entwickelnden Arbeitserschwernisse für die MitarbeiterInnen wurden in der Öffentlichkeit deutlich gemacht.
  • Die Sympathie der PatientInnen für unsere Anliegen: weit über 8000 Unterstützungserklärungen wurden von AKH-BesucherInnen im Eingangsbereich abgegeben.
  • Das Interesse der MitarbeiterInnen an der Problematik zeigt sich in der regen Beteiligung an allen Betriebsversammlungen und an den bisher höchsten Zugriffsraten (3100/Monat) zu den aktuellen Artikeln des BR-Weblogs http://muw-betriebsrat.at/. Fast gleich hohe Zugriffsraten zeigten sich Mitte 2009 (UGNovelle), Ende 2009 (Kampagne zu Kollektivvertragsbedingungen) und Ende 2010 (Kampagne zum Freizeitausgleich). Daneben gibt es, nach einer eigens entwickelten einfachen Formel(*) berechnet, maximal 400 StammleserInnen des BR-Blogs in den kampagnenfreien Intervallen.
  • Die Strategie der BR-Pressekonferenzen, Angehörige verschiedener Spezialfächer als AnsprechpartnerInnen für die Medien einzuladen, um ihnen die Möglichkeit der Problemdarstellung im eigenen Fachbereich zu geben, ist voll aufgegangen und die Probleme sind allgemein verständlich an die Öffentlichkeit kommuniziert worden.

Die Kampagne ist nicht zu Ende

   Dass die Kampagne nicht abgeschlossen werden konnte, liegt an der Verbal- und Finanzakrobatik des Wissenschaftsministeriums, welche eine nachhaltige Lösung im Einvernehmen mit allen Beteiligten unmöglich machte. Das zugesagte Geld ist lediglich ein zinsenloses Darlehen, das im Rahmen der nächsten Zielvereinbarungen zurückgezahlt werden muss.

   Es wurde versucht, die Allianz von Medien, MedUni-MitarbeiterInnen und PatientInnen mit ärmlichen Scheinlösungen zu untergraben. Und möglicherweise ist diese Taktik zum Teil im periweihnachtlichen Harmoniewillen der Öffentlichkeit aufgegangen. Die Kampagne geht weiter und wird 2012/13 vermutlich schärfer.           Karl Heimberger

(*) Austria Innovativ 3/2011, Wissenschaft in der „Blogosphäre“, S.13-14.

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