Archiv für 1. Januar 2012

Betriebsrat-Kampagne “Rettet das AKH”. Eine Zwischenbilanz

Wenn am Anfang einer Kampagne ihre Ziele definiert wurden, kann man am Ende unschwer über Erreichtes und Misslungenes Bilanz ziehen. Die gegenwärtige Kampagne ist keineswegs beendet. Deshalb: Zwischenbilanz.

Ein Drittel der Forderungen wird erfüllt sein, wenn der Minister das Geld für die notwendige Zahl an Journaldiensten ab 1.2.2012 überweist. Die anderen zwei Forderungen des Betriebsrats (BR) sind nicht erfüllt worden:

  1. Nachbesetzung der bisher nicht nachbesetzten 68 Dienstposten.
  2. Komplette Rücknahme des weiter intendierten Aufnahmestopps (auch Vermeidung „restriktiver“ Aufnahmepolitik)

Man könnte bisher von 33%-Erfolg
oder 
66%-Misserfolg sprechen

Aber es gibt Kollateral-Benefits, das sind Erfolge, mit denen man nicht sicher rechnen konnte, die auch anfangs nicht öffentlich formuliert waren, aber die man intern erwartet hatte und deren Fortbestand für PatientInnenversorgung und Verbesserungen der Arbeitsbedingungen nützlich wären:

  • Das Interesse der Medien: Print, Tele und Web, die über mehrere Wochen fast täglich berichteten
  • Der Kommunikationserfolg: die an sich schwierige Thematik des AKH-Strukturdualismus und die sich daraus entwickelnden Arbeitserschwernisse für die MitarbeiterInnen wurden in der Öffentlichkeit deutlich gemacht.
  • Die Sympathie der PatientInnen für unsere Anliegen: weit über 8000 Unterstützungserklärungen wurden von AKH-BesucherInnen im Eingangsbereich abgegeben.
  • Das Interesse der MitarbeiterInnen an der Problematik zeigt sich in der regen Beteiligung an allen Betriebsversammlungen und an den bisher höchsten Zugriffsraten (3100/Monat) zu den aktuellen Artikeln des BR-Weblogs http://muw-betriebsrat.at/. Fast gleich hohe Zugriffsraten zeigten sich Mitte 2009 (UGNovelle), Ende 2009 (Kampagne zu Kollektivvertragsbedingungen) und Ende 2010 (Kampagne zum Freizeitausgleich). Daneben gibt es, nach einer eigens entwickelten einfachen Formel(*) berechnet, maximal 400 StammleserInnen des BR-Blogs in den kampagnenfreien Intervallen.

Menschen und Meinungen bei und hinter dem “Runden Tisch” 2

In einem “Kommentar der Anderen” (derStandard.at), repliziert der Rektor der MedUni Wien, Wolfgang Schütz, auf die Äußerungen des KAV-Generaldirektors, Wilhelm Marhold (AKH-Befund des Wiener-Spitalsverbund-Chefs: ”Das Spital kann nicht alles leisten”, Printausgabe Der Standard, 28. 12. 2011).

Wenn Wilhelm Marhold, Generaldirektor des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV) zu den Protesten der Ärzte im Allgemeinen Krankenhaus (AKH) meint, dass es “ja wohl nicht sein kann, dass ein Partner, nämlich der Wissenschaftsminister, seiner Zahlungsverpflichtung nicht nachkommt,” dann predigt er erneut eine längst bekannte “Masche”, die auch durch dauerndes Wiederholen nicht richtig wird.

Die Verpflichtung des Wissenschaftsministeriums und damit der Med-Uni Wien ist es, im AKH Wien alle Ärztinnen und Ärzte zu stellen und zu bezahlen. Genau das tut die Med-Uni Wien: Sie hat die Zahl der Ärzte im AKH in den vergangenen Jahren sogar um fünf Prozent erhöht. Wenn jemand seiner Verpflichtung für das AKH nicht nachkommt, dann ist das der KAV (und somit die Stadt Wien): Ständig werden wegen Schwesternmangels Betten, insbesondere Intensivbetten, bisweilen sogar ganze Stationen und Operationssäle, gesperrt. Wegen Ärztemangels ist hingegen noch nie ein Bett gesperrt worden. Hinzu kommt, dass bestimmte Tätigkeiten, die die Ärzte entlasten würden, wie Blutabnehmen oder das Anlegen von Infusionen, den Schwestern im AKH ausdrücklich untersagt sind – und das ganz im Gegensatz zu allen anderen Wiener Spitälern.

Auch die Behauptung, dem Ärztlichen Direktor des AKH Wien, Reinhard Krepler, würden nicht einmal die Dienstlisten der Ärzte vorliegen, wird (wie eben auch von Wilhelm Marhold im Standard-Interview) gerne wiederholt, ist aber dennoch falsch. Der Direktor des AKH verfügt selbstverständlich über diese Listen.

Die Proteste der Ärzte im November und Dezember haben dazu geführt, dass Minister Töchterle knapp vor Weihnachten eine Überbrückungshilfe zugesichert hat und dass sich Wissenschaftsministerium, Stadt Wien, Med-Uni Wien und AKH Wien an einen Tisch setzen, um längst notwendige Strukturänderungen für das größte Spital Europas zu planen und umzusetzen. Dabei geht es in erster Linie um eine gemeinsame Leistungsdefinition, die überfällig ist. Die hoch spezialisierten Ärzte und Wissenschaftler der Med-Uni Wien verbringen mittlerweile mehr als 80 Prozent ihrer Zeit mit reiner Krankenversorgung, und dorthin fließt auch der größere Teil der Mittel, über welche die Med-Uni Wien verfügt. Jeglicher Spielraum für Lehre und Forschung ist dabei verlorengegangen. Erst wenn sich Forschung, Lehre und Krankenversorgung im Gleichgewicht befinden, werden Spitzenmedizin im AKH und Spitzenforschung an der Med-Uni Wien langfristig zu garantieren sein.

Wolfgang Schütz
Rektor der Med-Uni Wien

Menschen und Meinungen bei und hinter dem “RundenTisch” 1

-c- G.Zeitler, AEK WienVor Kurzem erschien ein Interview mit Dr. Willhelm Marhold, Generaldirektor des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV), im STANDARD (siehe unten).
Weitere Hinweise auf Aktionen Marholds gibt es in diesem Blog: Gesundheitspolitik in der StadtAufforderung an das Management des Wiener AKHEinsparungen in den Wiener Spitälern. Medienspiegel Teil I.

Wilhelm Marhold will von der Kasse bezahlte Ärzte in Ambulanzen arbeiten lassen, um die Spitäler zu entlasten – Ärzte und Pfleger schneiden bei Patientenbefragungen gut ab – im Gegensatz zum Essen, sagte Marhold.

«…» STANDARD: Fanden Sie auch den Aufschrei der AKH-Ärzte gerechtfertigt?
Marhold: Ich hab’s verstanden. Es kann ja wohl nicht sein, dass ein Partner – nämlich der Wissenschaftsminister – seiner Zahlungsverpflichtung nicht nachkommt.

STANDARD: Ist es nicht trotzdem legitim, zu sagen, auch im AKH solle nachgeschaut werden, wo man einsparen kann?
Marhold: Effizienzsteigerung steht jedem gut an. Vielleicht beschleunigt diese öffentlich gewordene Debatte auch, dass man sich mehr mit den Betriebsabläufen im AKH zwischen Med-Uni und Stadt Wien auseinandersetzt. Es kann ja nicht sein, dass der ärztliche Direktor dieses riesigen Spitals nicht einmal die Dienstlisten der Ärzte hat, um nur ein ganz plakatives Beispiel zu nennen. Da gibt es jede Menge Abstimmungsbedarf.

(Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 28.12.2011; Link zum gesamten Interviewtext: DerStandard.at)


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