Archiv für 3. Dezember 2011

Schließlich ahnt es die Öffentlichkeit doch: Politiker schieben Verantwortung auf die jüngsten AusbildungsärztInnen ab

Dass die geplanten Einsparungsmaßnahmen der Bundesregierung im AKH zu Einlassungsfahrlässigkeiten im Patientenversorgungsbereich führen werden, ist den Klinikvorständen bewusst. Die Juristen diskutieren darüber schon laange. Manche von den Klinik-Chefs verkünden deshalb, ihre Kliniken nur mehr tagsüber geöffnet lassen zu können. Was das für die Bevölkerung bedeutet, dringt nun auch langsam ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Hier ist ein Artikel im “STANDARD” dazu. Der Bund will die Gemeinde ins Zusatz-Finanzierungsboot holen. Die Gemeinde bleibt hart, egal was es für AKH-MitarbeiterInnen und PatientInnen bedeutet.

…der Oberarztdienst ab 16 Uhr in der Notfallaufnahme gestrichen werden. In Zukunft werden nur mehr drei statt wie bisher vier Ärzte im Einsatz sein. “Möglicherweise sind das drei junge Ärzte in Ausbildung” , so N., Notfallmediziner des AKH, der namentlich nicht genannt werden möchte. Für die Betreuung von Patienten gäbe es keine institutionalisierte Supervision mehr. “Wir werden alles tun, um zu verhindern, dass Anfänger allein sind” , so N. Befragte Juristen seien unsicher, ob ein Dienst ohne Oberarzt eine Fahrlässigkeit darstelle und ob Versicherungsschutz bestehe.

Max Friedrich, Vorstand der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, sieht nur einen Ausweg: “Wir könnten nur mehr als Tagesklinik am Vormittag agieren. Mit dieser Besetzung ist weder eine Aufsicht garantiert, noch eine Ausbildung möglich.”

Viele junge Ärzte hätten sich bereits besorgt an die Ärztekammer gewandt, sagt Kammeramtsdirektor Thomas Holzgruber. “Aber wenn das Rektorat Diensträder streicht, übernimmt es auch die Verantwortung für die Konsequenzen – nicht der Arzt.” …

Link zum gesamten Artikel: DerStandard.at

“Briefwechsel 4″: Betriebsrat an MedUni-Ratsvorsitzenden Busek

Betriebsrat MedUni Wien

Sehr geehrter Herr Dr. Busek,

  ich danke Ihnen für Ihre Stellungnahmen (Link3, Link2, Link1), auch wenn es wünschenswert gewesen wäre, wenn Sie als Vorsitzender des Universitätsrates der Medizinischen Universität Wien gemeinsam mit Rektor Schütz und allenfalls auch mit dem Betriebsrat die Problematik MUW-AKH öffentlich dargestellt hätten. Die Stellungnahme von Koll. Szekeres teile ich natürlich vollinhaltlich. Als Vollblut-Politiker verstehen Sie aber sicher auch, dass wir bei unseren Auftritten nicht die ganze Breite des Problems darstellen können. Wenn es tatsächlich zu politischen Gesprächen kommen sollte, dann wäre das ja schon ein Fortschritt.

   Allerdings  suggerieren Sie in Ihrer Antwort an Prof. Szekeres an zwei Stellen so etwas wie ein Versäumnis des Betriebsrates. Dazu darf ich auf § 132 im ArbVG hinweisen, der die Mitwirkung des Betriebsrates an den Universitäten (Tendenzbetrieb) in wirtschaftlichen Angelegenheiten stark einschränkt bzw. überhaupt ausschließt. Sie wissen aber auch, dass die Betriebsräte im Universitätsrat gem. UG nur sehr schwach verankert sind.

   Weder der angeführte Vertrag mit der Gemeinde Wien noch die Leistungsvereinbarungen tragen die Unterschrift des Betriebsrates. Ich darf daher ein Mitverantwortung nach dem Motto: „der Betriebsrat darf zwar nicht mitreden ist aber dann mitschuldig“  ausschließen.

   Ich nehme aber zur gerne zur Kenntnis, dass zukünftig den Argumenten der Betriebsräte zumindest im Universitätsrat der MUW verstärkte Aufmerksamkeit geschenkt werden wird (wir haben ja auch schon frühzeitig unsere Kommentare zu den Einsparungen im Universitätsrat deponiert).

Mit freundlichen Grüßen
Ingwald Strasser

“Briefwechsel 3″: Uni-Rat Busek an Betriebsrat

Sehr geehrter Herr Professor,

   herzlichen Dank für Ihre Stellungnahme (siehe Link2 und Link1), wobei ich nicht Ihrer Meinung bin, dass Standpunkte per se einseitig sein müssen. Man kann ein Problem von verschiedenen Seiten betrachten, was ich mehrheitlich auch getan habe. In Wahrheit handelt es sich um ein Organisationsproblem, wobei ich in Ihrer Stellungnahme nicht lesen konnte, dass Sie die gegenwärtige Organisation für ausgereift und optimal halten.

   Hinsichtlich der Kritik an der Größe des AKH lade ich Sie herzlich ein, in die Archive zu gehen. Ich habe meinen Standpunkt wiederholt klargemacht und immer darauf hingewiesen, dass im internationalen Vergleich 700 – 800 Betten genügen. Ich habe auch das als Vizebürgermeister vertreten, wobei ich zu Ihrer Entlastung feststellen möchte, dass Sie wahrscheinlich damals noch gar nicht politisch involviert waren. Die Größe habe ich immer kritisiert! Da meines Wissens das AKH das zweitgrößte Spital der Welt für eine Universitätsklinik ist, können Sie mir nicht einreden, dass andere Universitäten keine spitzenmedizinischen Leistungen erbringen. In den Rankings sind ja auch einige Universitäten leider über der unseren.

   Was Sie völlig vernachlässigen ist die Tatsache, dass die Gemeinde Wien im Rahmen ihrer Verpflichtung für die Versorgung das AKH permanent mehr belastet hat. Das ist auch dem Senat hinreichend bekannt und vom Rektorat früher auch argumentiert worden.

   Im Hinblick auf Inflation und Biennalsprünge verweise ich nur darauf, dass die Leistungsvereinbarung durch das Rektorat abgeschlossen wurde, also nicht meine Aufgabe ist. Das gilt auch für Ihre Bemerkung betreffend den Wissenschaftsminister. Wenn die Leistungsvereinbarung nicht kostendeckend gewesen wäre, hätte das Rektorat darauf aufmerksam machen müssen. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass von Ihrer Seite eine diesbezügliche Kritik gekommen ist.

   Betreffend der Nebenbeschäftigungen verstehe ich Ihre Stellungnahme, aber Sie wissen, dass manche Wirklichkeiten anders sind….

Betreffend der niedrigen Gehälter müssten Sie vom Universitätsrat her wissen, dass ich das immer kritisiert habe und auch auf die mangelnden Entwicklungsmöglichkeiten junger Ärzte hingewiesen habe. Eigene Möglichkeiten hat der Universitätsrat hier nicht.

   Betreffend Zusammenarbeitsvertrag sind die Dinge etwas komplexer, weil völlig klar ist, dass beim klinischen Mehraufwand die Gemeinde Wien am Bund „verdient“. Das ist auch der Grund, warum er nicht zustande gekommen ist. Wäre es für die Gemeinde Wien ein Vorteil, hätten wir längst Zusammenarbeitsvertrag, Ges.m.b.H. etc.

   Sie haben recht, dass ich in meiner Zeit an Vereinbarungen gescheitert bin, weil mir Finanzminister Lacina sehr offen gesagt hat, dass er es in der Wiener SPÖ nicht durchsetzen kann.

   Betreffend des Autonomiestatus irren Sie, denn in meiner Zeit hat es nur eine eingeschränkte Autonomie für die Institute gegeben, nicht aber für die Universitäten als Gesamtes. Angelastet habe ich das aber niemanden, sondern nur auf die Einseitigkeit ihrer Stellungnahme verwiesen.

   Im Übrigen habe ich den Wissenschaftsminister dazu bewogen, dass er rasche Verhandlungen verlangt. Mir ist nicht bekannt, dass von der Gemeinde Wien eine ähnliche Stellungnahme erfolgt ist. Im Übrigen empfehle ich Ihnen, den Vertrag mit der Stadt Wien zu studieren, der keine entsprechenden Bestimmungen hat, die Sie hier ansprechen. Er ist nämlich leider sehr allgemein, aber dafür kann ich nichts, weil ich zu dieser Zeit in keinem wie immer gearteten Amt gewesen bin. Ich fürchte allerdings, dass Sie zu dieser Zeit bereits Betriebsrat waren.

   Eine Bemerkung zu den Geräten: es gilt für die gesamte Einrichtung der beiden Bettentürme, die in der Grundausstattung nicht unbedingt Sache des Bundes sind.

 Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Erhard Busek

Die Antwort des Betriebsrats lesen Sie im “Briefwechsel 4″ 

Minister Töchterle verspricht den AKH-Kollaps zu verhindern

Die Antwort von Minister Töchterle auf die Frage von MedUni-Betriebsrat Strasser am Ende der “Universitätsvorlesung des Vereines zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung” am 2.12.2011 im vollen Hörsaal 1 des Wiener AKH wurde u.a. im KURIER veröffentlicht (Printausgabe v. 3.12.2011, Seite 19).

   Es ist zumindest eine kleine Beruhigungspille für die von Sparzwängen geplagten AKH-Ärzte: “Wir schaffen es, dieses Problem zu lösen. Das Drohszenario 1. Februar werden wir abwenden”, sagte Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle Freitag bei einer Podiumsdiskussion im AKH. Wie berichtet, sollen mit diesem Datum 14 Prozent der Nacht- und Wochenenddienste gestrichen werden, weil allein heuer die Uniklinik mit einem Minus von neun Millionen Euro abschließt. Seit Wochen laufen die Ärzte gegen die Sparpläne Sturm. «…»

   Für den Gesundheitsökonomen Ernest Pichlbauer sind ihre Proteste “absolut gerechtfertigt”. Die Ursache der aktuellen Misere: “Das AKH hat zwei Herren mit unterschiedlichen Interessen.” Während es der Stadt um die Versorgung der Patienten geht, ist für die MedUni das AKH primär Stätte für Forschung und Lehre. “Die Stadt versucht aber, auf Teufel komm raus Patienten ins AKH zu stopfen, weil es ja vom Bund mitfinanziert wird.” «…»

«Anmerkung dieser Blog-Redaktion: der folgende Link lässt Befürchtungen bzgl. Einhalten von ministerialen Versprechungen aufkommen»


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