
Sehr geehrter Herr Professor,
herzlichen Dank für Ihre Stellungnahme (siehe Link2 und Link1), wobei ich nicht Ihrer Meinung bin, dass Standpunkte per se einseitig sein müssen. Man kann ein Problem von verschiedenen Seiten betrachten, was ich mehrheitlich auch getan habe. In Wahrheit handelt es sich um ein Organisationsproblem, wobei ich in Ihrer Stellungnahme nicht lesen konnte, dass Sie die gegenwärtige Organisation für ausgereift und optimal halten.
Hinsichtlich der Kritik an der Größe des AKH lade ich Sie herzlich ein, in die Archive zu gehen. Ich habe meinen Standpunkt wiederholt klargemacht und immer darauf hingewiesen, dass im internationalen Vergleich 700 – 800 Betten genügen. Ich habe auch das als Vizebürgermeister vertreten, wobei ich zu Ihrer Entlastung feststellen möchte, dass Sie wahrscheinlich damals noch gar nicht politisch involviert waren. Die Größe habe ich immer kritisiert! Da meines Wissens das AKH das zweitgrößte Spital der Welt für eine Universitätsklinik ist, können Sie mir nicht einreden, dass andere Universitäten keine spitzenmedizinischen Leistungen erbringen. In den Rankings sind ja auch einige Universitäten leider über der unseren.
Was Sie völlig vernachlässigen ist die Tatsache, dass die Gemeinde Wien im Rahmen ihrer Verpflichtung für die Versorgung das AKH permanent mehr belastet hat. Das ist auch dem Senat hinreichend bekannt und vom Rektorat früher auch argumentiert worden.
Im Hinblick auf Inflation und Biennalsprünge verweise ich nur darauf, dass die Leistungsvereinbarung durch das Rektorat abgeschlossen wurde, also nicht meine Aufgabe ist. Das gilt auch für Ihre Bemerkung betreffend den Wissenschaftsminister. Wenn die Leistungsvereinbarung nicht kostendeckend gewesen wäre, hätte das Rektorat darauf aufmerksam machen müssen. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass von Ihrer Seite eine diesbezügliche Kritik gekommen ist.
Betreffend der Nebenbeschäftigungen verstehe ich Ihre Stellungnahme, aber Sie wissen, dass manche Wirklichkeiten anders sind….
Betreffend der niedrigen Gehälter müssten Sie vom Universitätsrat her wissen, dass ich das immer kritisiert habe und auch auf die mangelnden Entwicklungsmöglichkeiten junger Ärzte hingewiesen habe. Eigene Möglichkeiten hat der Universitätsrat hier nicht.
Betreffend Zusammenarbeitsvertrag sind die Dinge etwas komplexer, weil völlig klar ist, dass beim klinischen Mehraufwand die Gemeinde Wien am Bund „verdient“. Das ist auch der Grund, warum er nicht zustande gekommen ist. Wäre es für die Gemeinde Wien ein Vorteil, hätten wir längst Zusammenarbeitsvertrag, Ges.m.b.H. etc.
Sie haben recht, dass ich in meiner Zeit an Vereinbarungen gescheitert bin, weil mir Finanzminister Lacina sehr offen gesagt hat, dass er es in der Wiener SPÖ nicht durchsetzen kann.
Betreffend des Autonomiestatus irren Sie, denn in meiner Zeit hat es nur eine eingeschränkte Autonomie für die Institute gegeben, nicht aber für die Universitäten als Gesamtes. Angelastet habe ich das aber niemanden, sondern nur auf die Einseitigkeit ihrer Stellungnahme verwiesen.
Im Übrigen habe ich den Wissenschaftsminister dazu bewogen, dass er rasche Verhandlungen verlangt. Mir ist nicht bekannt, dass von der Gemeinde Wien eine ähnliche Stellungnahme erfolgt ist. Im Übrigen empfehle ich Ihnen, den Vertrag mit der Stadt Wien zu studieren, der keine entsprechenden Bestimmungen hat, die Sie hier ansprechen. Er ist nämlich leider sehr allgemein, aber dafür kann ich nichts, weil ich zu dieser Zeit in keinem wie immer gearteten Amt gewesen bin. Ich fürchte allerdings, dass Sie zu dieser Zeit bereits Betriebsrat waren.
Eine Bemerkung zu den Geräten: es gilt für die gesamte Einrichtung der beiden Bettentürme, die in der Grundausstattung nicht unbedingt Sache des Bundes sind.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Erhard Busek
Die Antwort des Betriebsrats lesen Sie im “Briefwechsel 4″