Archiv für 30. November 2011

“Briefwechsel 2″: Szekeres an MedUnirats-Vorsitzenden Busek

Die Antwort des Betriebsratsvorsitzenden, Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres auf den Kommentar von Dr. Erhard Busek

Sehr geehrter Herr Dr. Busek,

zunächst eine Feststellung. Standpunkte müssen per se einseitig sein, sonst wären sie keine.

Mit einiger Verwunderung habe ich Ihren Kommentar im Standard gelesen. Die angeordneten Einsparungen der 27 Nachtdiensträder haben weitreichende negative Auswirkungen und auch der Aufnahmestopp wirkt sich auf einigen Abteilungen bereits jetzt desaströs aus. Dies sind Fakten. Als Betriebsrat muss ich darauf hinweisen.

Die Größe des AKH ist auch ein Faktum, für das weder ich noch einer meiner Kollegen verantwortlich zeichnet, vielmehr haben Sie in ihrer damaligen Funktion als Wissenschaftsminister das Haus eröffnet. Es ist mir nicht erinnerlich, daß sie die Größe oder die Aufgabenstellung des AKH damals kritisiert haben. Manche sind überzeugt, dass diese Größe auch Basis für spitzenmedizinische Leistungen ist.

Es heute mit halber Kraft zu betreiben macht weder medizinisch noch wirtschaftlich Sinn. Zudem ist die Größe kein Nachteil für klinisch angewandte Forschung und praxisorientierte Lehre.

Im Übrigen, um auf einen weiteren Ihrer Kritikpunkte einzugehen, wissen wir sehr wohl, dass es Inflation und Biennalsprünge gibt.

Für die Finanzierung des ärztlichen Personals zeichnet nunmehr der Wissenschaftsminister via MedUni verantwortlich und deshalb richten sich unsere Forderungen auch an diese Stelle. Ich darf aber schon darauf hinweisen, dass der Budgetvoranschlag des Rektors vom Universitätsrat, dessen Vorsitzender Sie sind, genehmigt wird und nicht vom Betriebsrat.

Bezüglich der Nebenbeschäftigungen gibt es, wie Sie als Vorsitzender des Universitätsrates unserer Universität vermutlich wissen, klare Regelungen. Die Nebenbeschäftigungen sind mit maximal 10 Stunden pro Woche außerhalb der Dienstzeit limitiert, wobei nur sehr wenige meiner Kollegen Privatordinationen besitzen oder regelmäßig in Privatspitälern belegen.

Auch die niedrigen Gehälter sind nicht in Stein gemeißelt, eine Überzahlung wäre leicht möglich, ich ersuche Sie, sich in Ihrer Funktion dafür einzusetzen.

Zu dem von Ihnen angesprochenen Zusammenarbeitsvertrag ist es seit Jahrzehnten vor allem deshalb nicht gekommen, da man sich über die Aufteilung der Gesellschaftanteile nicht einigen konnte oder wollte. Es wäre so eine Gesellschaft auch für die MedUni nicht unbedingt vorteilhaft, wenn die Stadt Wien entsprechend ihrem finanziellen Einsatz die Mehrheit der Anteile halten würde.

Betriebsräte sind nicht Politiker. Es ist aber Aufgabe der Politik eine Einigung oder neue Vereinbarung zu schaffen. In Ihrer Zeit als verantwortlicher Politiker – Sie waren Vizebürgermeister in Wien, Vizekanzler und Wissenschaftsminister – sind Sie offensichtlich auch daran gescheitert, tragfähige Vereinbarungen zu treffen. Zudem waren Sie es, der den Autonomiestatus der Universitäten als Wissenschaftsminister ausgearbeitet haben. Das wissen Sie.

Dieses Problem jetzt MitarbeiterInnen des AKH oder dem Betriebsrat oder auch dem Rektor anzulasten ist ein wenig sehr einfach. Eine erkennbare Bereitschaft des jetzigen Wissenschaftsministers zu diesem Thema Stellung zu nehmen, hat es übrigens erst NACH Beginn unserer Aktionen gegeben.

Was an meinem Kommentar einseitig sein soll, entzieht sich gänzlich meinem Verständnis, vielleicht vermissen Sie Kritik an der Stadt Wien. Die Stadt Wien pocht aber meiner Meinung nach zu Recht auf einen aufrechten Vertrag, der sie zur Finanzierung des Pflegepersonals, die MedUni zur Finanzierung der Ärzte verpflichtet. Dem kommt sie auch nach. Die Tatsache, dass der Leistungsumfang in diesem Vertrag nicht festgelegt ist, kann man sicher nicht nur einem der Vertragspartner zum Vorwurf machen.

Übrigens werden Geräte, die zugegebener Weise in die Jahre gekommen sind, gemeinsam finanziert (paktierte Investitionen).

Mit freundlichen Grüßen, Thomas Szekeres

“Briefwechsel 1″: Busek an Betriebsratsvorsitzenden und AKH-MitarbeiterInnen

   Der Vorsitzende des MedUni-Rats (Erhard Busek) verlangt vom Betriebsrat eine “Gesamtheit des Einsatzes” und Vorschläge zur Problemlösung in der AKH/MedUni-Wien-Misere (die zwischen Gemeinde und Bund entstanden ist).  

Erwiderung auf einen “Notruf” aus Ärztekammer und Betriebsrat – Von Erhard Busek (im Standard v. 30.11.2011)

   Der Vorsitzende des Betriebsrats für das wissenschaftliche Personal des AKH, Prof. Dr. Thomas Szekeres, spricht davon, dass die vom Rektorat eingeleiteten Sparmaßnahmen einer “systematischen Zerstörung einer Qualitätsinstitution” gleichkämen. Was die Vermutung nahelegt, dass aus der politischen Perspektive des Autors jede Wahrheit einseitig ist: Denn wenn es seiner Ansicht nach “zu wenig kompetente Pfleger/innen” gibt, “die Geräte und die gesamte bauliche Infrastruktur in die Jahre kommen” , “Reparaturen sich häufen und technische Geräte den Geist aufgeben”, vergisst er zu erwähnen, dass dafür die Gemeinde Wien als Erhalter des AKH verantwortlich ist.

   Und wenn, wie Szekeres auch beklagt, zu wenig Zeit für Ausbildung und Forschung übrigbleibt, dann liegt das nicht zuletzt daran, dass das AKH überbelegt und zu groß ist – was ebenfalls in die Verantwortung der Gemeinde Wien fällt, Schließlich gibt es eine Reihe herausragender Medizinuniversitäten in Europa mit weniger Betten und daher geringeren Belastungen für Ärzte. Weiters sei darauf hingewiesen, dass auch die Krankenhäuser der Medizinuniversitäten von Graz und Innsbruck Ärzte haben, die jeweils vom Land bezahlt werden.

   Das eigentliche Problem liegt in der Administration des AKH, wobei die zwei anderen Universitätsspitäler in Österreich von einer eigenen Gesellschaft geleitet werden, in Wien aber von der Gemeinde. Seit Jahrzehnten wird eine gemeinsame Gesellschaft und ein Zusammenarbeitsvertrag (ZAV) vorgeschlagen, Bürgermeister Häupl hat eine solche Ges.m.b.H. auch schon vor längerer Zeit einmal ankündigte – ohne dass bis jetzt aber auch nur eine Stunde darüber verhandelt worden wäre. Der Wissenschaftsminister hat, wie alle seine Vorgänger, die Bereitschaft deponiert, in solche Verhandlungen einzutreten – vielleicht gelingt es ja jetzt. Überdies sollte auch ein Betriebsrat wissen, dass etwa die Erhöhungen der Beamtengehälter sowie die Pragmatisierung sich ganz kräftig im Budget der Medizinuniversität niederschlagen. Der Rektor hat nichts anderes gemacht als schlicht seine Verantwortung wahrzunehmen. Dass besonders die jungen Ärzte schlecht bezahlt sind, ist mehr als bedauerlich, liegt aber am System. Der Betriebsrat wird daher gebeten, sich gesamthaft einzusetzen und nicht zu übersehen, dass bekanntermaßen nicht wenige Ärzte nach ihrer Tätigkeit im AKH in der “goldenen Meile” der Privatspitäler (Kliniken und Ordinationen) tätig sind. Hier könnte auch seitens der Personalvertretung im Hinblick auf Autonomie einiges beigetragen werden.

   Einseitigkeit ist nie hilfreich, zudem ist dem Artikel auch kein einziger Vorschlag zu entnehmen, der aus dem Dilemma heraus hilft. Erhard Busek 
Link: DER STANDARD; Printausgabe, 30.11.2011 


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