Archiv für November 2011

“Briefwechsel 2″: Szekeres an MedUnirats-Vorsitzenden Busek

Die Antwort des Betriebsratsvorsitzenden, Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres auf den Kommentar von Dr. Erhard Busek

Sehr geehrter Herr Dr. Busek,

zunächst eine Feststellung. Standpunkte müssen per se einseitig sein, sonst wären sie keine.

Mit einiger Verwunderung habe ich Ihren Kommentar im Standard gelesen. Die angeordneten Einsparungen der 27 Nachtdiensträder haben weitreichende negative Auswirkungen und auch der Aufnahmestopp wirkt sich auf einigen Abteilungen bereits jetzt desaströs aus. Dies sind Fakten. Als Betriebsrat muss ich darauf hinweisen.

Die Größe des AKH ist auch ein Faktum, für das weder ich noch einer meiner Kollegen verantwortlich zeichnet, vielmehr haben Sie in ihrer damaligen Funktion als Wissenschaftsminister das Haus eröffnet. Es ist mir nicht erinnerlich, daß sie die Größe oder die Aufgabenstellung des AKH damals kritisiert haben. Manche sind überzeugt, dass diese Größe auch Basis für spitzenmedizinische Leistungen ist.

Es heute mit halber Kraft zu betreiben macht weder medizinisch noch wirtschaftlich Sinn. Zudem ist die Größe kein Nachteil für klinisch angewandte Forschung und praxisorientierte Lehre.

Im Übrigen, um auf einen weiteren Ihrer Kritikpunkte einzugehen, wissen wir sehr wohl, dass es Inflation und Biennalsprünge gibt.

Für die Finanzierung des ärztlichen Personals zeichnet nunmehr der Wissenschaftsminister via MedUni verantwortlich und deshalb richten sich unsere Forderungen auch an diese Stelle. Ich darf aber schon darauf hinweisen, dass der Budgetvoranschlag des Rektors vom Universitätsrat, dessen Vorsitzender Sie sind, genehmigt wird und nicht vom Betriebsrat.

Bezüglich der Nebenbeschäftigungen gibt es, wie Sie als Vorsitzender des Universitätsrates unserer Universität vermutlich wissen, klare Regelungen. Die Nebenbeschäftigungen sind mit maximal 10 Stunden pro Woche außerhalb der Dienstzeit limitiert, wobei nur sehr wenige meiner Kollegen Privatordinationen besitzen oder regelmäßig in Privatspitälern belegen.

Auch die niedrigen Gehälter sind nicht in Stein gemeißelt, eine Überzahlung wäre leicht möglich, ich ersuche Sie, sich in Ihrer Funktion dafür einzusetzen.

Zu dem von Ihnen angesprochenen Zusammenarbeitsvertrag ist es seit Jahrzehnten vor allem deshalb nicht gekommen, da man sich über die Aufteilung der Gesellschaftanteile nicht einigen konnte oder wollte. Es wäre so eine Gesellschaft auch für die MedUni nicht unbedingt vorteilhaft, wenn die Stadt Wien entsprechend ihrem finanziellen Einsatz die Mehrheit der Anteile halten würde.

Betriebsräte sind nicht Politiker. Es ist aber Aufgabe der Politik eine Einigung oder neue Vereinbarung zu schaffen. In Ihrer Zeit als verantwortlicher Politiker – Sie waren Vizebürgermeister in Wien, Vizekanzler und Wissenschaftsminister – sind Sie offensichtlich auch daran gescheitert, tragfähige Vereinbarungen zu treffen. Zudem waren Sie es, der den Autonomiestatus der Universitäten als Wissenschaftsminister ausgearbeitet haben. Das wissen Sie.

Dieses Problem jetzt MitarbeiterInnen des AKH oder dem Betriebsrat oder auch dem Rektor anzulasten ist ein wenig sehr einfach. Eine erkennbare Bereitschaft des jetzigen Wissenschaftsministers zu diesem Thema Stellung zu nehmen, hat es übrigens erst NACH Beginn unserer Aktionen gegeben.

Was an meinem Kommentar einseitig sein soll, entzieht sich gänzlich meinem Verständnis, vielleicht vermissen Sie Kritik an der Stadt Wien. Die Stadt Wien pocht aber meiner Meinung nach zu Recht auf einen aufrechten Vertrag, der sie zur Finanzierung des Pflegepersonals, die MedUni zur Finanzierung der Ärzte verpflichtet. Dem kommt sie auch nach. Die Tatsache, dass der Leistungsumfang in diesem Vertrag nicht festgelegt ist, kann man sicher nicht nur einem der Vertragspartner zum Vorwurf machen.

Übrigens werden Geräte, die zugegebener Weise in die Jahre gekommen sind, gemeinsam finanziert (paktierte Investitionen).

Mit freundlichen Grüßen, Thomas Szekeres

“Briefwechsel 1″: Busek an Betriebsratsvorsitzenden und AKH-MitarbeiterInnen

   Der Vorsitzende des MedUni-Rats (Erhard Busek) verlangt vom Betriebsrat eine “Gesamtheit des Einsatzes” und Vorschläge zur Problemlösung in der AKH/MedUni-Wien-Misere (die zwischen Gemeinde und Bund entstanden ist).  

Erwiderung auf einen “Notruf” aus Ärztekammer und Betriebsrat – Von Erhard Busek (im Standard v. 30.11.2011)

   Der Vorsitzende des Betriebsrats für das wissenschaftliche Personal des AKH, Prof. Dr. Thomas Szekeres, spricht davon, dass die vom Rektorat eingeleiteten Sparmaßnahmen einer “systematischen Zerstörung einer Qualitätsinstitution” gleichkämen. Was die Vermutung nahelegt, dass aus der politischen Perspektive des Autors jede Wahrheit einseitig ist: Denn wenn es seiner Ansicht nach “zu wenig kompetente Pfleger/innen” gibt, “die Geräte und die gesamte bauliche Infrastruktur in die Jahre kommen” , “Reparaturen sich häufen und technische Geräte den Geist aufgeben”, vergisst er zu erwähnen, dass dafür die Gemeinde Wien als Erhalter des AKH verantwortlich ist.

   Und wenn, wie Szekeres auch beklagt, zu wenig Zeit für Ausbildung und Forschung übrigbleibt, dann liegt das nicht zuletzt daran, dass das AKH überbelegt und zu groß ist – was ebenfalls in die Verantwortung der Gemeinde Wien fällt, Schließlich gibt es eine Reihe herausragender Medizinuniversitäten in Europa mit weniger Betten und daher geringeren Belastungen für Ärzte. Weiters sei darauf hingewiesen, dass auch die Krankenhäuser der Medizinuniversitäten von Graz und Innsbruck Ärzte haben, die jeweils vom Land bezahlt werden.

   Das eigentliche Problem liegt in der Administration des AKH, wobei die zwei anderen Universitätsspitäler in Österreich von einer eigenen Gesellschaft geleitet werden, in Wien aber von der Gemeinde. Seit Jahrzehnten wird eine gemeinsame Gesellschaft und ein Zusammenarbeitsvertrag (ZAV) vorgeschlagen, Bürgermeister Häupl hat eine solche Ges.m.b.H. auch schon vor längerer Zeit einmal ankündigte – ohne dass bis jetzt aber auch nur eine Stunde darüber verhandelt worden wäre. Der Wissenschaftsminister hat, wie alle seine Vorgänger, die Bereitschaft deponiert, in solche Verhandlungen einzutreten – vielleicht gelingt es ja jetzt. Überdies sollte auch ein Betriebsrat wissen, dass etwa die Erhöhungen der Beamtengehälter sowie die Pragmatisierung sich ganz kräftig im Budget der Medizinuniversität niederschlagen. Der Rektor hat nichts anderes gemacht als schlicht seine Verantwortung wahrzunehmen. Dass besonders die jungen Ärzte schlecht bezahlt sind, ist mehr als bedauerlich, liegt aber am System. Der Betriebsrat wird daher gebeten, sich gesamthaft einzusetzen und nicht zu übersehen, dass bekanntermaßen nicht wenige Ärzte nach ihrer Tätigkeit im AKH in der “goldenen Meile” der Privatspitäler (Kliniken und Ordinationen) tätig sind. Hier könnte auch seitens der Personalvertretung im Hinblick auf Autonomie einiges beigetragen werden.

   Einseitigkeit ist nie hilfreich, zudem ist dem Artikel auch kein einziger Vorschlag zu entnehmen, der aus dem Dilemma heraus hilft. Erhard Busek 
Link: DER STANDARD; Printausgabe, 30.11.2011 

Volksversammlung im Wiener AKH

   Weit über 1000 TeilnehmerInnen – MitarbeiterInnen, PatientInnen, Studierende, BesucherInnen, BetriebsrätInnen und VertreterInnen aus anderen Institutionen z.B. Fonds Soziales Wien, Arbeiterkammer, Gewerkschaft Öffentlicher Dienst, Ärztekammer - an der Versammlung im Eingangsbereich des Wiener AKH, am 29.11.2011, hörten die Ansprachen der Betriebsräte, des Rektors, der ehemaligen AKH-PatientInnen und der ModeratorInnen, sowie des ÄK-Präsidenten.

   Otto Schenk, selbst früher Patient des AKH, brachte es auf den Punkt. Wegen der offenkundigen Unfähigkeit der PolitikerInnen  in Gemeinde und Bund, die Probleme der Unterfinanzierung des AKH und den damit verbundenen Journaldiensteinsparungen, dem Personalabbau bei ÄrztInnen und den drohenden Leistungsreduktionen am AKH zu lösen: bräuchten einige Politiker eine Hirntransplantation.

   U.A. berichteten Freda Meissner-Blau, Günther Frank, der auch moderierte, Attila Dogudan und Niki Lauda (dieser in einer Videobotschaft) über ihre sehr guten Erfahrungen mit ihren Behandlungen im AKH und die aufopferungsvolle Tätigkeit der ÄrztInnen, PflegerInnen und des Stations- und Verwaltungspersonals im AKH trotz mehr als angespannter Personalsituation und dem scheinbaren (Otto Schenk:) “48-Stunden-Tag”.

   Die Studierenden (ÖH-Medizin Wien) trugen Kleidungsaufschriften: ”Wir leiden mit den Lehrenden”, “Geht´s den Lehrenden schlecht, leidet auch die Lehre”.

   Viele PatientInnen trugen Plakate mit Aufschriften wie: “AKH und MedUni-Wien brauchen Klimawandel”, “Wartezeit ist Lebenszeit”, “6-8Stunden Wartezeit”, “Wir fordern andere Strukturpolitik!”, “PatientInnen sind auch betroffen – Solidarität mit der Aktion” etc.

   Alle forderten ein Umdenken der Politik und darüberhinaus auch ein verwirklichtes Setzen von politischen Prioritäten NICHT für den österreichischen Tunnel- und Straßenbau, NICHT für die nachfrags- und bedingungslose viele Milliarden Euro schwere Unterstützung der am Finanzmarkt verantwortungslos und spekulierend Tätigen, sondern für die Gesundheit.

   Obwohl die GRÜNE der Ersten Stunde, Frau Meissner-Blau, eine Kampfpredigt für die Vollfinanzierung und damit für den weiteren Betrieb des AKH auf höchstem medizinischen Niveau gehalten hatte, beschwerten sich Betriebsräte über das Stillschweigen der gegenwärtigen städtischen GRÜN-PolitikerInnen zur AKH-Situation. An Minister Töchterle, dem Verantwortlichen für das MedUni-Budget der am AKH tätigen ÄrztInnen, wurde das absolute Fehlen von konstruktiven Überlegungen und Beiträgen zum drohenden AKH-Kollaps heftigst kritisiert. Ein Chirurg warnte vor den zunehmenden Wartezeiten auf Operationen bei drohender Personal- und Dienstreduktion. Ein Betriebsrat sprach von wieder drohenden Überschreitungen des Arbeitszeitgesetzes für Krankenhäuser.

   Die Versammlungen sollen jetzt im wöchentlichen Intervall mit allen MitarbeiterInnen durchgeführt werden, bis die Verantwortungsträger in der Politik zur Besinnung kommen. Ein dringender Runder Tisch mit Diskussion der bedrohlichen AKH-Kollaps-Situation zwischen Bund und Gemeinde sowie AKH und MedUni Wien wurde noch für die Vorweihnachtszeit verlangt. Im Januar sei es zu spät.

   Von den VersammlungsteilnehmerInnen wurden Unterstützungserklärungen für den Verein Rettet das AKH unterschrieben (Link: www.rettetakh.at), der mit seiner symbolischen Sammelaktion u.a. offensichtlich darauf hinweist, dass die Regierung nicht ihrem verfassungsmäßigen Auftrag nachkommen kann/will, der Bevölkerung das zu geben, was ihr im Gesundheitsbereich gebührt, optimale PatientInnenbetreuung für Alle ohne Rücksicht auf sozialen Status und Einkommen, optimale Medizinische  Lehre und Medizinische Forschung auf Spitzenniveau .

Kurzmeldung: Teilerfolg der Betriebsversammlung

Ab sofort ist der Elektronische Dienstplanmanager, EDM, für die Eintragungen der Journaldienste ab Januar 2012 wieder geöffnet. Endlich können die MitarbeiterInnen wenigstens die geplanten Dienste oder freien Tage im Januar und Weihnachts-/Neujahrsurlaub konkretisieren.

Die Einsparungsmaßnahmen sind offenbar zunächst bis mindestens Ende Januar/Anfang Februar 2012 ausgesetzt. Für heute noch wurde die einseitige Erklärung des Rektors zur Kürzung der Notfall- und Journaldienste ab Februar angekündigt.

Drohender AKH-Kollaps: Medienberichte

In allen größeren österreichischen Medien, wie Tageszeitungen und Fernsehstationen, wurde von den Aktionen der MedUni-Wien-MitarbeiterInnen berichtet.  Hier ist der Link zu ORF2, Wien heute. Weitere Links zu einigen der Tageszeitungsmeldungen weiter unten:

Links zu den Printmedien vom 23.11.2011:

Wiener Zeitung, DER STANDARD, Salzburger Nachrichten, ÖSTERREICH, KURIER 1, KURIER 2, KRONE, HEUTE.

Öffentliche Betriebsversammlung AKH-Eingangshalle, 29.11.2011, 9.00 Uhr

Betriebsrat MedUni Wien

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die zweite große Betriebsversammlung hat am 22.11.2011 im übervollen Hörsaal 1 stattgefunden, wir danken Ihnen für die Teilnahme. Nur so war es möglich, auch öffentlich auf unsere Probleme aufmerksam zu machen, was uns auch sehr erfolgreich gelungen ist. Es gibt fast kein Massenmedium in Österreich, das nicht berichtet hätte.

Wir haben in dieser Versammlung eine

öffentliche Betriebsversammlung
für Dienstag, 29.11. um 9 Uhr,
AKH-Eingangshalle

beschlossen. Diese Veranstaltung wird unter prominenter Beteiligung und Unterstützung (Freda Meissner-Blau, Niki Lauda, Attlia Dogudan, Otto Schenk, Günther Frank) in der Eingangshalle des AKH stattfinden. Nehmen sie bitte unbedingt an dieser Veranstaltung teil.

Weiters haben wir eine Resolution an das Rektorat mit der Aufforderung, die mit 1.1.2012 angeordneten Journaldienstreduktionen um zumindest 3 Monate zu verschieben und die sofortige Öffnung des EDM zu veranlassen, beschlossen. Der Rektor wurde entsprechend informiert.

Noch einmal herzlichen Dank für die Geschlossenheit in unserem gemeinsamen Kampf um unsere Uni und das AKH.

Thomas Szekeres
Ingwald Strasser
Wolfgang Baumgartner
Anita Holzinger

Rettet das AKH:   www.rettetakh.at 
Weblog:         http://muw-betriebsrat.at

Politik: Betonieren hat Vorrang gegenüber Gesundheit

   In der Betriebsversammlung am 22.11.2011 wurde neben Berichten über die bisher umgesetzten Maßnahmen des Betriebsrats z.B. zu Medienauftritten, Vernetzungsaktivitäten auch informiert über fehlende Antworten des Wissenschaftsministers auf den in der letzten Betriebsversammlung beschlossenenen Brief und den ebenfalls an ihn gerichteten Brief des MedUni-Senats. Außerdem wurden weitere Resolutionen gefasst:

Die nächste Versammlung wird öffentlich und aus diesem Grund keine eigentliche “Betriebsversammlung” sein:

Am 29.November 2011
 um 9:00 Uhr
in der Eingangshalle des AKH

werden Betriebsräte und ehemalige PatientInnen zu Wort kommen. U.A. haben Frau Freda Meissner-Blau und Herr Attila Dogudan ihr Kommen versprochen. Moderieren wird Günther Frank. Niki Lauda hat bei Verhinderung eine Videobotschaft angekündigt. Alle MitarbeiterInnen, Studierende, PatientInnen und Medien sind dazu herzlich eingeladen.

   In einer weiteren Resolution wurde vom Rektor verlangt, die geplanten Sparmaßnahmen zunächst für 3 Monate auszusetzen. Damit soll den MinisterInnen Fekter und Töchterle die Möglichkeit gegeben werden, über relevante Problemlösungen (inkl. Finanzierung der notwendigen Beträge) miteinander und mit den zuständigen GemeindepolitikerInnen zu verhandeln, zum Erhalt der Spitzenversorgung, Spitzenforschung und Spitzenlehre in der Studierenden- und FachärztInnenausbildung im AKH und an der MedUni Wien.

   In einer weiteren Resolution forderten die MitarbeiterInnen vom Rektorat ab sofort den elektronischen Dienstplanmanager (EDM) wieder zugänglich zu machen, um für Januar 2012 und danach die notwendigen Nachtdienste eintragen zu können. Der EDM ist seit vielen Wochen für diese Tätigkeit gesperrt.

   Kommenden Freitag will der Rektor einseitig die betroffenen Abteilungen nennen, innerhalb  derer Journaldienste reduziert werden sollen. Einseitig, weil sich praktisch alle KlinikleiterInnen aus Verantwortlichkeit den PatientInnen und MitarbeiterInnen gegenüber, nicht in der Lage sahen, Leistungsreduktionen und Personalreduktionen zustimmen zu können.

   Der Betriebsratsvorsitzende Thomas Szekeres präsentierte eine Berechnung der ASFINAG über die Kosten einer 3,8 Km langen Autobahnsanierung innerhalb Wiens. Dieser Betrag entspricht dem Betrag der für die problemlose Erstellung des MedUni Budgets bis zum Jahr 2013 benötigt wird. Das Betonieren aber scheint eindeutigen Vorrang vor der Gesundheit zu haben.

   Operationen würden um 1/3 reduziert werden müssen. Sogar die Notfallbehandlung und damit die Akutversorgung im zweitgrößten Universitätsspital der Welt würde unter den Sparmaßnahmen leiden. Die Verantwortung dafür bleibt den PolitikerInnen unbenommen. Ein Interesse für die Lösung der Problematik (unverändert gültiger Vertrag der Gemeinde mit dem Bund, trotz beständiger Vermehrung der notwendigen medizinischen Leistungen) bestünde von Seiten der Politik offenbar überhaupt nicht. Irrelevante Zurufe aus dem Parlament, wie man Forschung zu gestalten habe (die Wissenschaftssprecherin der kleineren Regierungspartei wurde namentlich genannt), seien entbehrlich.

   Es ist sowohl medizinisch  als auch wirtschaftlich sinnvoll das AKH im Vollbetrieb arbeiten zu lassen. Ein Herunterfahren der Leistungen ist unwirtschaftlich, weil Betriebskosten weiterlaufen, erklärte auch der Uni-Senats-Vorsitzende, Prof. Pollak, und die Anpassung der Infrastruktur des 20 Jahre alten AKH müsse für die Gesundheit der Menschen erfolgen.

   Die künftigen Maßnahmen im Rahmen einer überlegten schrittweisen Protest-Eskalation werden bei der nächsten (öffentlichen) Versammlung am DI., 29.11.2011 in der Eingangshalle des Wiener AKH (s.o.) vom Betriebsrat erläutert werden.
Link: Rettet das AKH 
Link: Bericht von ORF.at 

Rektor Schütz zur Situation von AKH und MedUni-Wien

Rektor Schütz

Zur Querfinanzierung des AKH durch die MedUni und den Bund:
Die Hälfte des MedUni-Budgets, welches vom Wissenschaftsministerium kommt, landet in der Krankenbetreuung.

Zum MedUni-Defizit für 2011:
Es wird bei 8 – 9 Millionen € liegen.

Zu notwendigen Sparmaßnahmen:
Betroffen sind vor allem Journaldienste, die im Gegensatz zu Nichtnachbesetzungen sofort budgetwirksam werden. Kündigungen sind nicht geplant. Falls das Ministerium nicht im letzten Moment das MedUni-Budget aufstockt, wird die Zahl der Nachtdienste um 24 – von 172 auf 148 pro Nacht – reduziert.

Zu den Folgen der Sparmaßnahmen:
Davon werden die Chirurgien besonders betroffen sein. Es wird weniger Operationen geben (möglicherweise bis zu 30%; A.d.R.). Die operative Beanspruchung der Chirurgen im AKH tagsüber ist so groß, dass viele Operationen, auch in der Nacht durchgeführt werden müssen. Die geplanten Nachtdienst-Reduktionen werden aber auch die Zahl der operativen Eingriffe reduzieren und zu längeren Wartezeiten der Patienten auf ihre Operation führen.

Zum nicht-klinischen Bereich:
An den theoretischen Instituten wird auch gespart werden. Dort ist das Einsparungspotenzial aber geringer, im Vergleich zum klinischen Bereich.

Zur budgetären Verantwortung:
Der Bund als Eigentümer hat der Universität die Bürde des Krankenhaus-Routinebetriebs übergeben. Er hat es aber verabsäumt, gleichzeitig mit der Stadt eine Leistungsanpassung zu verhandeln.

Lösungsstrategien im AKH-MedUni-Wien-Betrieb:
Die Gemeinde, zuständig u.a. für die Pflege im AKH, hat das Pflegepersonal reduziert. Der Rektor hält eine gemeinsame Betriebsführung für eine gangbare Lösung, um Zustände zu verbessern. In einer Vereinbarung aus 2005 wurden die Beteiligten dazu aufgefordert, eine gemeinsame Gesellschaft zu gründen. Bisher hat es nicht funktioniert. Die jetzige Situation eignet sich als Beginn einer Umsetzung dieses Ziels. Bis jetzt wird das AKH von zwei Rechtsträgern betrieben, die versuchen, einander die Leistungen zuzuschieben. Dabei droht jetzt der Kollaps.

Geplante Einsparungen im Wiener Gesundheitswesen: Gegenmaßnahmen des Betriebsrats

Betriebsrat MedUni Wien

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

   Wie inzwischen bekannt ist, soll aufgrund von Budgetengpässen an der Med Uni Wien massiv eingespart werden. Die Folgen des Aufnahmestopps und der Journaldienstkürzungen sind weitreichend und beeinträchtigen die Funktionsfähigkeit des AKH sehr stark. Wir haben in unserer Betriebsversammlung am 10.11. und in unseren Aussendungen informiert.

Nun werden die in der Betriebsversammlung beschlossenen Maßnahmen umgesetzt.

  • Am 22.11. findet um 9.00 Uhr eine weitere Betriebsversammlung zur Beratung über weitere Aktivitäten im HS 2 statt. Da es an diesem Tag zu Verzögerungen für die Patienten kommen kann, haben wir uns erlaubt einen Informationstext [wurde separat per E-Mail an die MitarbeiterInnen ausgesandt; A.d.R.] vorzubereiten. Der Text kann für Aushänge oder Handouts verwendet werden. 
  • Es gab die erste Pressekonferenz an der Ärztekammerpräsident Dorner, Senatsvorsitzender Pollak und Betriebsräte Thomas Szekeres und Ingwald Strasser teilnahmen. Diese Pressekonferenz hat ein gewaltiges Medienecho ausgelöst, es haben alle österreichischen Fernsehsender und fast alle Zeitungen berichtet. (Hier klicken: Links zu vielen dieser Beiträge
  • Es wurde der Verein „Rettet das AKH“ gegründet. Die Homepage www.rettetakh.at ist online und wir erhalten große Unterstützung.
  • Wir haben gestern im Vorstand der Wiener Ärztekammer einen sehr hohen Rahmenbetrag für die Finanzierung von Medienaktivitäten und Projekten, um auf unsere Probleme aufmerksam zu machen, genehmigt erhalten.

   Wir dürfen Sie Alle, liebe Kolleginnen und Kollegen ersuchen, auch Ihr persönliches Netzwerk für unser gemeinsames Ziel, die Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit des AKH, bzw. der MedUni zur Verfügung zu stellen.

Informieren Sie so viele Menschen in Ihrem Umfeld wie möglich über die derzeitige Situation der MedUni und die Folgen der geplanten Maßnahmen.

   Bitten Sie prominente und bekannte Persönlichkeiten um ihre Unterstützung, idealer Weise ihr Testimonial für den Verein „Rettet das AKH“.

   Die Aktionen haben mittlerweile offenbar auch bewirkt, dass BM Töchterle zumindest darüber nachzudenken scheint, dass es nötig ist, mit der Gemeinde Wien in Gespräche zur Lage des  AKH einzutreten.

Wir freuen uns, Sie am 22.11. zu sehen (Link: Einladung)

Thomas Szekeres, Ingwald Strasser, Wolfgang Baumgartner,  Anita Holzinger

MedUni und AKH: “Unselige Partnerschaft” (Zitat Busek)

Zum trennenden Dualismus von autonomer MedUni (zuständig für Lehre, Forschung und ärztlichen Personalstand) und Spitalsträger (Gemeinde, zuständig u.a. für Pflegepersonal, Patientenströme etc.) gibt es unzählige Meinungen, zum Beispiel die eingangs zitierte von Erhard Busek, ehem. Wissenschaftsminister und dzt. UniRat-Vorsitzender der MedUni Wien. 

   Es hat sogar Kohorten von ExpertInnen gegeben, die sich mit Problemlösungsansätzen beschäftigt haben. Ohne Erfolg.  Bund und Gemeinde tragen ihre Meinungsverschiedenheiten auf dem Rücken der MedUni- und AKH-MitarbeiterInnen aus.

   Aus dem Interview der Gesundheitsstadträtin geht jetzt hervor (s.u.*), dass sie nicht über die vorzeitige Auflösung eines (bis 2015 gültig zwischen Bund und Gemeinde verhandelten) Vertrages nachdenkt. Auch wenn dieser in seiner Konsequenz den MedUni-MitarbeiterInnen Personalreduktionen und Journaldienstkürzungen bei stets steigenden Patientenzahlen bringt.

   Mit gutem Willen auf allen Seiten sind für PatientInnen und MitarbeiterInnen positive Problemlösungen (keine Leistungsreduktionen; künftig mehr Zeit in der regulären Arbeitszeit neben der Patientenbetreuung für Forschung und Lehre; keine Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz-Überschreitungen etc.) leicht zu finden und hätten schon vor Jahren bis Jahrzehnten realisiert werden können. Allein…

(*) “Die Presse” vom 17.11.2011 Seite: 13:
[...] Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely gibt sich abwartend und denkt derzeit lieber an die aktuelle Situation: “Die Voraussetzung, dass ich überhaupt über diese Frage nachdenke, ist, dass Töchterle den bis 2015 gültigen Vertrag auf Punkt und Beistrich einhält.”
Link: diePresse.com, AKH-Ärzte: Wien soll mitzahlen 

Im KURIER vom 15.11.2011 
kommen Bgm. Häupl, AKH-Direktor Krepler und Experte Pichlbauer zu Wort:
   Die Überraschung war groß, als Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) vor Monaten im KURIER eine neue Eigentümerstruktur für das AKH forderte. Für das Spital sind der Bund (in Gestalt der Medizinischen Universität) und die Stadt Wien zuständig. Ein Umstand, der stets für Unmut sorgte.
   Nun lässt Spitalschef Reinhard Krepler im KURIER-Gespräch mit einem Vorschlag aufhorchen: “Gemeinsam mit dem Rektor der MedUni strebe ich eine Betriebsgesellschaft an.” In etwa eineinhalb Jahren wäre der Plan umsetzbar. Krepler schwebt eine Gesellschaft mit vier Geschäftsführern und einem Aufsichtsrat vor. “Sowohl Gemeinde als auch MedUni würden je zwei Geschäftsführer zustehen.”
   Letztlich würde dies die “Ausgliederung des AKH aus dem Krankenanstaltenverbund” bedeuten. Experte Ernest Pichlbauer: “Das wäre die Lösung eines 100 Jahre alten Problems.” Das schwammige Profil des AKH könnte geschärft, “das Verhältnis zwischen Forschung, Lehre und medizinischer Versorgung neu geordnet werden”.

Link: KURIER.at vom 15.11.2011, AKH: Das zähe Warten

Rektor Schütz von der “Presse” missverstanden worden?

Werte MitarbeiterInnen!

   Ich bedaure außerordentlich, dass ein kurzes Telefoninterview, das ich gestern Abend mit der Tageszeitung “Die Presse” führte, von dieser missverständlich wiedergegeben wurde.
Ich teilte ihr mit, dass wir für die Leistungsvereinbarungsperiode 2013 – 2015 zusätzliche Geldmittel von zumindest € 36 Mio./Jahr benötigen werden um den Betriebso aufrecht zu erhalten, wie er derzeit (im Jahr 2011) läuft. Das wird bedeuten, dass das Jahr 2012 ein extrem schwieriges wird, da wir ein Minus von € 9 Mio. im Jahr 2011 im kommenden Jahr wieder hereinbringen müssen, was nur mit Stellen- und Journaldienstreduktionen möglich ist. Unter diesen Bedingungen werden es alle MitarbeiterInnen der MedUni Wien nur in gemeinsamer Anstrengung schaffen, das Jahr 2012 so zu überstehen, dass Qualitätseinbußen in Patientenversorgung, Lehre und Forschung soweit vermieden werden können, dass es in diesem Jahr noch nicht zum Kollaps kommt. Sollte die MedUni Wien aber ab 2013 die genannten budgetären Zusatzmittel nicht erhalten, wird der Kollaps des AKH aber tatsächlich eintreten. Wir werden auch eine mediale Mitteilung in diesem Sinne tätigen.

Für Ihr bisheriges großes Verständnis in dieser Angelegenheit darf ich mich sehr herzlich bedanken.

Mit freundlichen Grüßen
Univ.Prof.Dr.Wolfgang Schütz
Rektor

Betriebsrat und Klinikleiter fordern sofortigen Stopp der Personal- und Nachtdienstreduktionen

Betriebsrat MedUni Wien

Nach dem Interview des MedUni-Rektors in der “Presse” am 15.11.2011 (Link diePresse.com, Printausgabe v. 16.11.2011), in dem der bevorstehende Kollaps der Patientenversorgung und die Budgetmisere der MedUni Wien negiert wurde, verlangen die Betriebsräte und die Organisationseinheitsleiter den sofortigen Stopp der Personalaufnahmesperre und die Rücknahme der geplanten Nachtdienstreduktionen oder die Richtigstellung der Interviewinterpretation.

Der Brief des Betriebsrats an den Rektor:

Magnifizenz,
sehr geehrter Herr Professor Schütz,

Ich erlaube mir um Aufklärung bezgl. Ihres Interviews in der Presse zu ersuchen. Sind Sie falsch interpretiert worden oder hat sich die Situation doch geändert. Sollte dies der Fall sein, ersuche ich Sie um Rücknahme des Aufnahmestopps und der Journaldienstkürzungen.

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Szekeres,
Vorsitzender des Betriebsrats für
das wissenschaftliche Personal der MedUni Wien

Link: Die Antwort des Rektors

Link: Der Artikel mit dem Rektor-Interview in  ”diePresse.com”
(von Christoph Schwarz und Ulrike Weiser)

Seit Tagen warnen Ärzte vor einem Personalnotstand in der Wiener Uni-Klinik. Der Rektor der Uni, Wolfgang Schütz, beruhigt: Für 2012 reicht das Budget.

[Wien] Die Ärzte am AKH Wien bleiben mit ihrem Aufschrei allein. Denn den drohenden „Kollaps“ in der Patientenversorgung, vor dem die Mediziner seit Tagen warnen, werde es „nicht geben“, sagt Wolfgang Schütz, Rektor der Med-Uni Wien. Zumindest nicht 2012: „Wir werden mit dem bestehenden Budget über die Runden kommen“, so Schütz am Dienstag im Gespräch mit der „Presse“.

Die AKH-Ärzte hatten zuletzt in den Medien die Folgen eines Sparpakets drastisch skizziert: Von 1500 Dienststellen müssten 180 gestrichen werden. Das führe zu einer Reduktion der OP-Kapazitäten von bis zu 30 Prozent. Schütz beruhigt nun: So weit werde es nicht kommen. Das Rektorat der Med-Uni, das für die Finanzierung der Ärzte zuständig ist, werde am Mittwoch die für 2012 nötigen Begleitmaßnahmen beschließen. Wie diese aussehen sollen, lässt er offen.

Nicht eingehen will Schütz auch auf die Kritik von Uni-Minister Karlheinz Töchterle (ÖVP), der im „Presse“-Gespräch kritisiert hatte, von der Uni keine Details zum angeblichen Fehlbetrag von neun Millionen Euro im Budget zu erhalten: „Der Minister muss sich keine Sorgen machen. Wir bringen das Geld bis Ende 2012 herein.“ Klar sei jedoch: Die in Aussicht gestellt Uni-Milliarde für 2013 bis 2015 müsse kommen. Und die Med-Uni werde „ihren vollen Anteil von 36 Millionen Euro einfordern“. Sonst werde es „wirklich schlimm ausgehen“.

Wien und Bund streiten um Geld

Im Kompetenzstreit zwischen der Stadt Wien (die u. a. für das Pflegepersonal zuständig ist) und dem Ministerium schlägt sich der Rektor auf Töchterles Seite: Stadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) habe kein Recht, etwaige Kürzungen beim medizinischen Personal durch die Med-Uni zu beanstanden – sondern solle lieber ihre eigene Personalpolitik überdenken: „Die Stadt Wien reduziert laufend das Pflegepersonal. Was dazu führt, dass wir schon heute immer wieder halbe Stationen sperren müssen, weil wir zu wenig Personal haben.“

In einem Interview mit der Austria Presse Agentur hatte Wehsely Töchterle am Dienstag scharf kritisiert: „Der redundante Satz des Ministers, dass für die Versorgung die Stadt Wien zuständig ist, ist einfach falsch. Ich möchte nicht sagen, dass er bewusst die Unwahrheit sagt, aber er sollte sich einmal mit der Vertragslage beschäftigen.“

Laut Vereinbarung zwischen Stadt und Med-Uni ist Letztere für die Bereitstellung der Ärzte zuständig. Im Ministerium unterstreicht man, dass deren Finanzierung „primär Wissenschaft und Forschung“ diene. Die Stadt hingegen betont, dass „natürlich“ auch die Arbeit in der Patientenbetreuung inkludiert sei. Generell scheint es mit der Kommunikation zu hapern: Wehsely klagt, dass Töchterle auf ihren Brief nicht geantwortet habe. Das werde selbstverständlich noch erfolgen, richtet das Ministerbüro via „Presse“ aus.

180 Stellen weniger. Nachtdienstreduktionen. Notfallversorgung: drohender Funktionsverlust

Darstellung der Probleme des AKH-Wien in den Video-Medien. Ein Teil der folgenden Link-Ziele ist nur kurzfristig, etwa 5-7 Tage, verfügbar.

…und in den Printmedien:

Weiterlesen ’180 Stellen weniger. Nachtdienstreduktionen. Notfallversorgung: drohender Funktionsverlust’

Einladung zur Betriebsversammlung 22.11.2011

EINLADUNG
zur
BETRIEBSVERSAMMLUNG
des wissenschaftlichen Personals
am 22. November 2011
um 9.00 Uhr, s.t.
 im
HS 1, AKH-Hörsaalzentrum
Währinger Gürtel 18-20

Tagesordnung

  1. Eröffnung der Betriebsversammlung
  2. Reduktion von Journaldiensten
  3. Allfälliges

 Aufgrund des Arbeitsverfassungsgesetzes steht allen Bediensteten – sofern nicht schwerwiegende dienstliche Gründe entgegenstehen – das Recht zu, an einer Betriebsversammlung teilzunehmen.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen! 

Thomas Szekeres
Vorsitzender des Betriebsrates  

Homepage Betriebsrat: http://www.meduniwien.ac.at/br-wp/ 
E-Mail Betriebsrat:         br-wp@meduniwien.ac.at 
Weblogs:                           http://www.muw-betriebsrat.at 
                                              http://ug02.wordpress.com

Betriebsversammlung mit 600 TeilnehmerInnen

Betriebsrat MedUni Wien

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Vergangenen Donnerstag (10.11.2011) hat eine Betriebsversammlung im vollen Hörsaal stattgefunden

 Danke für die rege Teilnahme

   Das Rektorat hat über die dramatische finanzielle Situation der Med Uni berichtet. Heuer fehlen 9 Mio. Euro, nächstes Jahr weitere 9 Mio. und ab 2013 dann jährlich 30 Mio. Als Einsparungsmaßnahmen hat das Rektorat einen Aufnahmestopp verfügt (es werden nur mehr Karenzstellen besetzt) und eine Reduktion der Nachtdiensträder um 24 (von 172)  in Kombination mit der Einführung von Journaldienstclustern ab 1.1.2012 angeordnet.

   Die Clusterverantwortlichen bzw. Organisationseinheitsleiter und Abteilungsvorstände sehen sich aber mehrheitlich außer Stande festzulegen, welche Diensträder ohne potentielle Einlassungsfährlässigkeit und weitreichende Konsequenzen für die Patienten eingespart werden könnten. Es ist daher zu erwarten, dass das Rektorat, wie im Brief des Rektors von Oktober angekündigt, die Reduktionen bestimmen wird.

   Die Direktion des AKHs bzw. die Gemeinde Wien sind entschieden gegen eine Reduktion der Nachtdiensträder (die ja aus guten sachlichen Gründen eingerichtet worden sind). In einem Brief an Minister Töchterle verweist die Stadträtin für Gesundheit auf einen Vertrag mit der Med Uni über den klinischen Mehraufwand, der festlegt, dass sämtliche Ärztinnen und Ärzte von der Uni bezahlt werden. Bedauerlicherweise gibt es aber von BM Töchterle keinerlei diesbezügliche Stellungnahme (er war zur Betriebsversammlung eingeladen), die Universität und ihre MitarbeiterInnen werden von ihrem Eigentümer in dieser Angelegenheit völlig allein gelassen.

   In dieser Situation mussten wir uns bemerkbar machen, um die Bevölkerung und die Politik auf unsere Probleme hinzuweisen.

    Als Maßnahmen haben wir in unserer Betriebsversammlung beschlossen:

  1. Eine weitere Betriebsversammlung am 22.11. um 9.00 Uhr (Link zur Einladung)
  2. Resolution an die Bundesregierung (Link mit Unterschriftenlisten) 
  3. Gründung des Vereines „Rettet das AKH“ (Link) , um Spenden zu sammeln.  

Mit dem Verein möchten wir medienwirksam auf die verzweifelte Lage der Uni hinweisen und insbesondere die Tatsache kommunizieren, dass die heimische Politik zwar von uns Spitzenleistungen einfordert, aber offenbar nicht in der Lage oder willens ist, die Universität entsprechend zu finanzieren. Besonders enttäuschend war die Budgetrede der Finanzministerin in der sie angekündigt hat, die Unimilliarde, welche der Wissenschaftsminister in Aussicht gestellt hat, in Schilling anstatt in Euro bewilligen zu wollen….

Thomas Szekeres
Ingwald Strasser

Rettet das AKH. Wiener AKH vor dem Kollaps

   Der Sparkurs des Bundes programmiert den Kollaps der Patientenversorgung am AKH, dem größten Spital Österreichs, sagte Ärztekammer-Chef, Walter Dorner, in der heutigen Pressekonferenz.
   Der MedUni-Senatsvorsitzende, Arnold Pollak, fordert eine neue Leistungsvereinbarung zwischen Gemeinde/AKH und MedUni/Bund. Der Bund bezahlt nämlich die im AKH arbeitenden ÄrztInnen.  
   Die ärztlichen Aufgaben nehmen mit der beständig wachsenden Zahl der zu behandelnden PatientInnen zu, sodass neben der PatientInnenbetreuung zu wenig Zeit für Forschung und Lehre bleibt, meinen die Betriebsratsvorsitzenden Thomas Szekeres und Ingwald Strasser. Nicht nur die PatientInnen müssen unter der Gesundheitspolitik der Regierung leiden. Für die MitarbeiterInnen selbst werden die Arbeitsbedingungen immer schlechter. Wegen der Personalnot werden die Arbeitsüberlastungen noch stärker zu spüren sein.
   Am Jahresende fehlen 9 Mio €, am Ende des nächsten Jahres zusätzliche 30 Mio €. Insgesamt 180 Stellen sollen nicht mehr nachbesetzt werden, bis jetzt sind es schon über 60. Auch aus Spargründen sollen pro Nachtdienst 24 ÄrztInnen weniger im AKH arbeiten dürfen (ab 1.1.2012).

   In den Betriebsratszeitungen wurde mehrfach auf die prekäre Situation verwiesen. Die Medien, inkl. Tageszeitungen berichteten ständig darüber. Die MinisterInnen (Fekter, Töchterle, Stöger) wurden eindringlichst gewarnt, den Sparkurs fortsetzen zu lassen. Es folgten Interventionen bei den WissenschaftssprecherInnen der im Parlament vertretenen politischen Parteien, bei GemeindepolitikerInnen, Interviews im ORF (zuletzt ORF2, Wien heute am 10.11.2011 um 19 Uhr), eine Betriebsversammlung, die eine Resolution verabschiedete, welche der Regierung übermittelt wurde. Der Verein “Rettet das AKH” wurde vom Betriebsrat gegründet. Die heutige Pressekonferenz wurde einberufen.
   Geplant sind weitere Betriebsversammlungen, die nächste am 22.11.2011 im HS2 des AKH um 9.00 Uhr, wo weitere Maßnahmen beschlossen werden sollen.

Betriebsversammlung mit Forderung an die Regierung

Am 10. November 2011 nachmittags fand die Betriebsversammlung des wissenschaftlichen Personals der MedUni Wien zum Problem der angeordneten Journaldienst- und Personalreduktionen statt. Nach Schätzungen  der Hörsaalverantwortlichen besuchten insges. 600 MitarbeiterInnen die Veranstaltung. Das sind >50% der MedUni-ÄrztInnen und ca. 20% aller wissenschaftl. MitarbeiterInnen. (Foto: Paul Breit)

Bisher unterschrieben mehr als die Hälfte aller TeilnehmerInnen die folgende Forderung an die Bundesregierung (zum Vergrößern: Klick auf die Abbildung):

Der Termin für die nächste Betriebsversammlung ist

Dienstag, 22. November 2011,
9.00 Uhr

im AKH-Hörsaal 2

Weitere Blätter mit Forderung und Unterschriftenliste können hier heruntergeladen werden. Bitte unterschrieben an das Betriebsrats-Büro faxen: 40160-924810 oder nach Einscannen an folgende Betriebsrats-E-Mail-Adresse senden br-wp@meduniwien.ac.at

Achtung! Politik kann Ihre Gesundheit gefährden

Brief des Betriebsratsvorsitzenden an die MedUni-Wien-MitarbeiterInnen

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, 

   wie das Rektorat bereits mehrfach bekannt gegeben hat, fehlen der Universität zumindest ab 2013 ca. 30 Mio. Euro jährlich, um den laufenden Betrieb finanzieren zu können. Der Rektor hat daher ab 2011 einen Aufnahmestopp verfügt und eine Kürzung der Journaldiensträder angekündigt, die mit 1.1.2012 in Kraft treten soll. Es sollen insgesamt 24 Journaldiensträder eingespart werden, wobei das Rektorat den klinischen Bereich in Cluster eingeteilt hat und jedes Cluster die Vorgabe erhalten hat, die Kürzung von insgesamt 14% der Journaldiensträder festzusetzen. Diese Kürzung würde Leistungsreduktionen bedingen, wobei eine (teilweise) Schließung der Notfallaufnahme genauso diskutiert wird, wie andere Leistungsreduktionen. Sämtliche Maßnahmen würden unweigerlich unser Leistungsangebot einschränken und zu einer spürbaren Verschlechterung der PatientInnenversorgung führen.

   Erschwerend zu den ab 2013 prognostizierten Problemen ist ein Budgetloch dazugekommen, das bereits 2011 wirksam wird. Aufgrund unerwarteter Ausgaben wird bereits heuer mit einem Defizit von über 9 Mio. Euro gerechnet. Selbiges gilt auch für 2012. Deshalb hat der Rektor im Oktober 2011 einen absoluten Personalaufnahme-stopp verhängt (nur mehr Karenzstellen werden ausgeschrieben) und die Umsetzung der Journaldiensteinsparungen mit 1.1.2012 angeordnet. Bereits jetzt lassen sich für Januar keine Journaldienste mehr in den EDM eintragen!

   Nachdem ein Einsehen der Politik nicht zu erwarten ist, und das Budget der Universitäten auch laut Aussagen der Finanzministerin kaum erhöht wird, sehen sich sowohl der Betriebsrat als auch der Senat und die Abteilungsleiter gezwungen, die Öffentlichkeit auf diese Probleme hinzuweisen. Mit der Solidarität unserer Patientinnen und Patienten wird gerechnet.

   Wir bereiten eine Reihe von Maßnahmen vor, über die wir in unserer Betriebsversammlung am Donnerstag, dem 10.11., ab 14:30 Uhr im AKH-Hörsaal 1 berichten und diskutieren werden. 

Bitte hier weiterlesen!


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