Gesundheitsminister Stöger über ärztliche Arbeit auf Stationen und in Spitalsambulanzen

Im Interview mit der Österr. Ärztezeitung nimmt der Gesunheitsminister Stellung u.a. zu Fragen der Arbeitsüberlastung in Spitälern und Spitalsambulanzen, zur  Gesundheitsreform und elektronischen Gesundheitsakte (ELGA):
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Spitalsärztinnen und -ärzte sind nach wie vor überlastet. Obwohl es nun Sanktionsmaßnahmen gibt, klagen Spitalsärzte nach wie vor über überlange Arbeitszeiten.
Was das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz anlangt, muss ich sagen, dass die Zuständigkeit beim Sozialministerium liegt. Die Menschen im Gesundheitswesen haben aber ein Recht darauf,  gesund bleiben zu können. Denn nur gesunde Menschen können auch andere gesund machen. Ausgebrannte Spitalsärzte wollen wir nicht haben. Umgekehrt: die Organisation zu gestalten, ist halt auch eine Aufgabe, die man nicht nur beklagen darf, sondern das muss man auch tun. Und da sind wieder die Verantwortlichen vor Ort gefordert.

Welche Aufgaben haben aus Ihrer Sicht die Spitalsambulanzen?
Die haben mehrere Funktionen. Eine Funktion ist die Versorgung der Bevölkerung mit fachärztlicher Leistung. Sie haben die Aufgabe zu überprüfen, ob Krankenhausleistungen im stationären Bereich notwendig sind, auch die Nachbehandlung stationärer Leistungen, und sie haben auch sonstige Aufgaben wie diverse Forschungsleistungen und Weiterbildungsaufgaben. Auch nehmen sie die Aufgabe der 24-Stunden-Betreuung wahr. Hier spielen die Ambulanzen meiner Meinung nach eher eine Rolle als beim Ausgleich von eventuellen Mängeln in sonstigen Bereichen, weil die Krankenhausambulanzen eher in den Zentralräumen stationiert sind und in Wirklichkeit die Versorgung in den ländlichen Regionen ja nicht durch Krankenhausambulanzen erfolgt.

Österreich-weit gibt es rund sechs Millionen Ambulanzfälle. Sehen Sie da nicht einen Verbesserungsbedarf?
Ich glaube nicht, dass das Verschieben von einem Sektor in den anderen das Problem der Patientinnen und Patienten löst. Ich denke, die Aufgabe der Krankenanstalten ist, Patienten zu behandeln. Und die Krankenanstalten müssen sich darauf einstellen, welche Patienten sie vorfinden und dort auch Behandlungsangebote setzen. Ich habe kein Problem, wenn ein niedergelassener Arzt an den Tagesrandzeiten Aufgaben im Krankenhaus übernimmt. Es darf nur zu keiner Kostenverschiebung führen. Oder wenn es zu einer Kostenverschiebung führt, muss man auch die Pauschale in dem Ausmaß ändern, dass auch das Geld der Leistung folgt. Mir ist wichtig, dass die Versorgung bei den Menschen stattfindet. Wenn die Versorgung in der Ambulanz billiger, besser ist, dann soll man es dort machen. Wenn es billiger und besser im niedergelassenen Bereich ist, dann bitte im niedergelassenen Bereich. Und es kann auch sein, dass in einem Bezirk das eine günstiger ist und in einem anderen das Andere.

Nun gibt es Berechnungen der Ärztekammer, wonach eine Entlastung der Spitalsambulanzen doch eine erhebliche Möglichkeit der Einsparung bietet. Da müsste man doch die Entlastung durch Schaffung neuer Möglichkeiten im niedergelassenen Bereich auch durchführen.
Wenn das so ist. Ich bin nur nicht sicher, ob das so ist. Es geht darum, dass man Behandlungspfade definiert, es geht darum, dass man ehrlicher mit der Frage umgeht: was kann man wo mit welcher Qualität erreichen und Qualität ist auch Erreichbarkeit. Was kommt tatsächlich beim Patienten, bei der Patientin an und dann muss man sich als Gesellschaft die Frage stellen: wo organisieren wir den Gesundheitsbereich? Und hier wird es unterschiedliche Systeme und Strukturen geben müssen. Es wäre falsch, in die Tiroler Berge eine U-Bahn zu bauen, obwohl sie in Wien eine wichtige Funktion erfüllt. In der Medizin ist es ähnlich. Wenn ich in Wien eine andere Krankenanstaltenstruktur vorfinde und eine U-Bahn, um dort hinzufahren, dann sind das andere Strukturen als in den Tiroler Bergen. Man muss also schauen: Was wollen wir versorgt haben und was ist konkret das geeignetere Mittel. – Und das ist nicht so generell erklärbar.

Das Gespräch führten Agnes M. Mühlgassner und Martin Stickler
Hier klicken: gesamter Interview-Artikel
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