Archiv für Januar 2009

Familienunterstützung

Für 2009 gibt es Familienunterstuetzung von der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD).

Hier: Download Antragsformular für Gewerkschaftsmitglieder

Med-Unis: The Lost Generation

Geht eine  Generation des wissenschaftlichen Nachwuchses an den medizinischen Universitäten verloren?

Martin Tiefenthaler, Vorsitzender des Betriebsrats für das wiss. Personal der Med-Uni Innsbruck analysiert:

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Es ist PolitikerInnen schwer vermittelbar, dass das Fehlen des Kollektivvertrages oder anderer Elemente für eine Karriereperspektive an Universitäten negative Folgen haben könnte. PolitikerInnen, deren Horizont in (immer kürzer werdenden) Legislaturperioden verankert ist, könnten die Auswirkungen der Zielformulierung bei der nächsten Wahl nicht verbuchen. Die Folgen unzureichender Personalpolitik sind meist erst mit Zeitverzögerung feststellbar, weil die Evaluation nachhinkt und auch bei optimaler Personalpolitik in den Evaluierungsperioden Änderungen innerhalb der statistischen Streuung liegen, die erst eine länger dauernde Periode oder eine generelle Mangelwirtschaft benötigen, um eine Veränderung statistisch signifikant nachweisen zu können.

Umso alarmierender ist die Tatsache, dass Facharztstellen in vielen Bereichen der Medizinischen Universitäten kaum mehr BewerberInnen finden.
Womit lässt sich dieser Befund nun erklären,wenn gleichzeitig durch den Zusammenfall des Auslaufens der alten Studienordnung mit den ersten AbsolventInnen des neuen Curriculums in diesen Jahren mehr MedizinerInnen auf den postpromotionellen Markt drängen. Zudem gibt es an den Medizinischen Universitäten StudienabgängerInnen, die in drittmittelfinanzierten Projektstellen (meist niedriger als vom FWF dotiert) auf Ausbildungsstellen zur Fachärztin/ zum Facharzt warten.
Bestimmte Fächer mit hohem Marktwert wie z. B. Radiologie, Strahlentherapie, Pathologie finden kaum Nachwuchs.  Stellenbesetzungsverfahren müssen oft mangels (geeigneter) BewerberInnen  neu ausgeschrieben werden. Das Auswahlverfahren beschränkt sich auf sehr wenige BewerberInnen. Die Auswertung aller laufenden Ausschreibungsverfahren mit Stichtag 8.10.08 ergab im Mittel 2,53 Bewerbungen für die zu besetzenden Facharztstellen. In Wien sprechen die derzeitigen Beschäftigungskonditionen manchmal ausschließlich BewerberInnen aus den östlichen Nachbarländern an. Dass Facharztstellen ausgeschrieben werden müssen, ist die Folge des sogenannten Übergangsdienstrechtes von 2001. Die Planstellenbewirtschaftung und das BDG ermöglichten es bis dahin, dass qualifiziertes Personal nach erfolgreicher Facharztausbildung in ein provisorisches Dienstverhältnis und bei weiterer Qualifikation in ein definitives Dienstverhältnis übergeführt werden konnte. Aufgrund der sechsjährigen Facharztausbildungsdauer in Verbindung mit Unterbrechungen beispielsweise durch Forschungs- und/oder „Kinder“karenz ist dieses beamtete Laufbahnschema bis heute dilatiert wirksam. Manche KollegenInnen haben sich in einem Kraftakt wissenschaftlicher Qualifikation mit einer Habilitation während der Facharztausbildung im letzten Augenblick noch (gem §178 BDG) definitiv stellen lassen können und damit „ins Beamtenleben gerettet“.
In der Folge waren an den Kliniken deshalb auch fast keine Facharztstellen (Säule II) ausgeschrieben worden. Deshalb trifft der Systembruch mit der fehlenden Perspektive die Kollegenschaft hier doppelt. Wenn dazu auch die Betriebsführung bisher noch keinen Stellenplan für die Organisationseinheiten vorsieht, wird Karriereplanung willkürlich und disponibel.

An den Standorten Graz und Innsbruck wird das System durch Landesfacharztstellen partiell kompensiert, die auch von erfolgreichen WissenschafterInnen wegen der Karrieresicherheit (faktisch unkündbare unbefristete Verträge mit Biennalsprüngen) gern angenommen werden. Nur selten wird wegen der Möglichkeit der Kongressreisen oder der Karenzierung für Forschungsaufenthalte vom wissenschaftlichen Nachwuchs eine Universitätsanstellung gegenüber einer Landesstelle bevorzugt.
Aber auch bei Ausbildungsstellen gibt es jetzt eine deutlich geringere Nachfrage (durchschnittlich 6 BewerberInnen für Stellenausschreibungen für wissenschaftliche MitarbeiterInnen in Ausbildung zur Fachärztin/zum Facharzt an der Medizinischen Universität Innsbruck; Stichtag 8.10.2008). Generell wurden derartige Rahmenbedingungen wie im Universitäts-Abgeltegesetz („1375 Euro/Monat Ausbildungsärzte“) oft wegen des Zieles „Facharztdiplom“ in Kauf genommen. Außerdem kann eine Ausbildungsstelle nicht automatisch zur Dauer- und Facharztstelle werden, weil sonst innerhalb eines Jahrzehnts keine Stellen für die StudienabsolventenInnen mehr zur Verfügung stünden und weil die Medizinischen Universitäten auch ihrem Auftrag zur Fachärzteausbildung nachkommen müssen.
Waren in Besetzungsverfahren bislang 5–10 BewerberInnen die Regel, finden sich nun auch fürAusbildungsstellen oft nur 1–2 Bewerber Innen.  Auf die Konditionen angesprochen, finden sich auch erfolgreiche StellenwerberInnen bisweilen ausgenützt, weil sie zwar ihre wissenschaftliche Vorbildung für die Bewerbungen kompetitiv einbringen mussten, aber sich dann in überbordender klinischer Tätigkeit nur in den seltensten Fällen in der Regeldienstzeit weiterhin wissenschaftlich betätigen können. Manchen reicht es – und aus einer Forschungskarenz in den USA wird eine bleibende Verabschiedung von der österreichischen Universität.
Seit Elisabeth Gehrer wird zwar von Weltspitzenuniversitäten gesprochen, aber die Gehälter bleiben im internationalen Vergleich den Umständen entsprechend bescheiden. Nachdem nämlich die Möglichkeit zu individuellen Gehaltsverhandlungen überwiegend nur in Berufungsverhandlungen gegeben ist und eine generelle Überbezahlung aus den derzeitigen Globalbudgets nicht finanzierbar ist, bleibt an der personalseitigen Entwicklung nur die der Karriereperspektive über ein Laufbahnmodell. Ein wesentliches Element für eine Karriereplanung ist der Kündigungsverzicht bei positiver Evaluierung, was realistischer Weise nur mittels Kollektivverträgen gewährleistet werden kann. Wenn nicht wie an der Universität Graz die Möglichkeit der freien Betriebsvereinbarung für ein Laufbahnmodell in Vorwegnahme des Kollektivvertrages favorisiert wird, bleiben nur Maßnahmen wie betrieblich unterstützte Kinderbetreuung und Betriebswohnungen, um das Personal an die Universität zu binden. Aber diese wenigen Sozialleistungen können insbesondere Vertragsbefristungen und minderes Entgelt längst nicht kompensieren. Und auch der Freizeitwert der österreichischen Universitätsstädte allein ist auf Dauer zu wenig!

Aber natürlich könnte man auch wissenschaftlich kritisch bleiben und feststellen, dass für die schlüssige Argumentation einer „lost generation“ der kausale Zusammenhang zwischen rückläufigen Bewerbungen und dem fehlenden Karrieremodell fehlt.

Martin Tiefenthaler
(Vorsitzender des Betriebsrats für das wissenschaftliche Universitätspersonal Medizinische Universität Innsbruck)
martin.tiefenthaler@i-med.ac.at
Hier: Originaltext auf Seite 3 des ULV Mitteilungsblatts 1/2009

ORF meldet Teil-Erfolg der Uni-Finanzierungs-Kampagne

im Ö1-Morgenjournal (Audio-File nicht mehr verfügbar) und  ORF online Text:
Vielleicht hätte Christoph Badelt, der Vorsitzende der Universitätenkonferenz, am vergangenen Freitag noch mehr Geld für die Universitäten fordern sollen. Denn nun werden die Universitäten laut Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) ziemlich genau jenen Betrag für die Jahre 2010 bis 2012 zusätzlich erhalten, den Badelt am Freitag genannt hat: 150 Millionen Euro pro Jahr als Ersatz für den Wegfall der Studiengebühren und rund 400 Millionen Euro zusätzlich jedes Jahr. Die Gesamtbudgets der Universitäten steigen damit auf rund 2,6 Millarden Euro jährlich.

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Weitere Allianzen gesucht: gegen das wissenschaftsfremdliche Verhalten der Regierung

Auch die RektorInnen (uniko, früher „Rektorenkonferenz“) ziehen nun am selben Strick wie der Mittelbau  und rufen (nach Buseks Rat zum Streikaufruf) alle Uni-Angehörigen zu Interventionen bei PolitikerInnen auf:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Keine zwei Monate nach Amtsantritt der neuen Regierung scheinen sich die Befürchtungen der Österreichischen Universitätenkonferenz drastisch zu bestätigen. Deshalb möchten wir uns heute an Sie wenden: Es besteht die Gefahr, dass die „Koalition neu“ die aktuelle Finanzkrise als Vorwand nimmt, um sich vor einer hinreichenden Budgetierung der Universitäten zu drücken, obwohl gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten von Investitionen in Bildung und Forschung entscheidende Impulse ausgehen.  Sämtliche Versprechungen und Ankündigungen vor der Nationalratswahl betreffend einen Ausbau der Universitäten und die Beseitigung der massiven Unterfinanzierung der Hochschulen werden damit als leere Worthülsen entlarvt.

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Busek rät Unis zum Streik, den Med-Unis zu keiner weiteren Leistungsvereinbarungs-Unterzeichnung

Erhard Busek, Ex-Wissenschaftsminister und Unirat-Vorsitzender der MUW, kritisiert die Bildungspolitik der Regierung und ruft zum Widerstand auf.
 Im Gespräch mit Lisa Nimmervoll,  zu lesen bei http://derstandard.at/?id=1231151884439 oder in der Printausgabe des STANDARD vom 15.1.2008:

STANDARD: Die Regierung widmet sich momentan ganz dem Kampf gegen die Wirtschaftskrise. Sie spannt Schutzschirme über Banken und schnürt Konjunkturpakete. Die Forschung hungert relativ unbeachtet vor sich hin. Unis und Science-Community sind alarmiert. Zu Recht?
Busek: Die Gefahr ist sehr groß, dass wir die Krise nicht nutzen, um im Bereich Bildung, Weiterbildung, Qualifizierung etwas zu tun. Das aber ist die entscheidende Frage. Wir werden den Autoabsatz nicht retten mit Verschrottungsprämien, sondern sicher nur, wenn es Forschung gibt, die quasi neue Autos entwickelt. Wir sind darauf überhaupt nicht vorbereitet. Das Regierungsprogramm hat zwar einen Warenhauskatalog von bildungspolitischen Fragen, aber es ist überall das berühmte Sternderl dabei – „nach Maßgabe der Budgetmittel“ . Mir fehlt die Prioritätensetzung. [...]
Sie können auch  weiterlesen bei:  http://ug02.wordpress.com/2009/01/15/busek-rat-unis-zum-streik-den-med-unis-zu-keiner-weiteren-leistungsvereinbarungs-unterzeichnung/

Aktuelle Meldung: Kinderbetreungsgeld-Rückzahlung

Die Gewerkschaft hat zu den Problemen der Kinderbetreungsgeld-Rückzahlungen ein Info-Blatt und ein Formular entworfen. Hier können diese eingesehen werden:  Info-Kinderbetreuungsgeld3 und ein Musterschreiben_Berufung_kbg_Zuschuss
An  die für uns zuständige Gewerkschaft GÖD (Gewerkschaft öffentlicher Dienst) sind weitere Anfragen zu richten:

Rechtsabteilung GÖD, Gewerkschaft Öffentlicher Dienst.
Tel.: 01 – 53 454
Fax.: 01 – 53 454 – 207
Teinfaltstraße 7
1010 Wien

Anti-Korruptionsgesetz in Kraft

Der MUW-Rektor informierte:

Die Beachtung der neuen Antikorruptionsbestimmungen ist vor allem im Bereich von Reisekostenübernahmen, Zuwendungen für Festveranstaltungen sowie Wissenschaftssponsoring relevant Da die an der Medizinischen Universitat Wien mit Forschungstätigkeiten beauftragten Personen unter die Strafbestimmungen für den öffentlichen Sektor fallen (§§ 304 ff StGB), würde ein den Bestimmungen widersprechendes Verhalten das Korruptionsdelikt „Geschenkannahme durch Amtsträger“ erfüllen.

Bitte weiter lesen im Link: antikorruptionsgesetz-muw-nachricht2

Link zum Artikel von Lukas Stärker in der Österr Ärztezeitung (ÖÄZ 12, vom 25.Juni2009, S. 30-31).

Gesundheitsminister Stöger im Interview

doktorinwien: Die Forschung wird in Österreich als Stiefkind behandelt. Ist
die Erhöhung der Forschungsausgaben für Sie ein Thema?

Stöger: Die Bundesregierung bekennt sich in ihrem Programm dazu, für Forschung und Entwicklung für 2009 und 2010 jeweils 50 Millionen Euro an zusätzlichen Mitteln zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus besteht das Ziel, die Forschungsquote bis 2010 auf 3 % des BIP anzuheben und bis 2020 4 % zu erreichen. Zur Erreichung dieses Ziels ist eine ausreichende Finanzierung vorgesehen – gekoppelt mit einer Förderpolitik, die möglichst hohe private Forschungsinvestitionen auslöst.

Zum Weiterlesen der LINK: Gleicher und gerechter Zugang zur Spitzenmedizin für alle


Das MUWeblog

wird als Info-Blog vom Betriebsrat der Medizinischen Universität Wien für alle MitarbeiterInnen des wissenschaftlichen Personals betrieben.

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