“Wir finden keine ÄrztInnen mehr, die an den Unikliniken arbeiten wollen”
Aufgrund des Platzens der Regierung ist die Umsetzung des bereits ausgehandelten Kollektivvertrages für die Österreichischen Universitäten in weite Ferne gerückt.
Die Betriebsräte der Medizinischen Universitäten fordern die scheidende Regierung noch einmal zur Arbeit auf:
Seit 2004 gilt das neue Universitätsgesetz, die Universitäten wurden in die “Autonomie” entlassen. Inzwischen sind mehr als 4 Jahre vergangen und die Universitäten haben noch immer keinen
Kollektivvertrag, der Gehälter und Karrieremöglichkeiten festschreiben würde. Die Umsetzung dieses Vertrages scheitert am Geld- trotz mehrfacher Lippenbekenntnisse, haben weder Wissenschafts-
noch Finanzminister die benötigten Gelder zur Verfügung gestellt.
Die Konsequenz ist gravierend. Die Arbeitsbedingungen an unseren Medizinischen Universitäten sind so unattraktiv geworden, dass wir in vielen Bereichen keinen Nachwuchs mehr finden. “Erstmals kommt es gehäuft vor, dass sich nur mehr sehr wenige, oft nur einzelne Bewerber für ausgeschriebene Stellen an unserer Universität bewerben”, so Prof. Thomas Szekeres der Vorsitzende des Betriebsrates
an der Med. Uni Wien. Dies ist ein Alarmsignal und sollte von den verantwortlichen Politikern auch als solches gewertet werden. Unsere Universitäten verlieren für hoch qualifizierte Bewerber jede
Attraktivität; es ist kurzfristig mit einem Qualitätsverlust zu rechnen. Keine qualifizierte Lehre, Forschung und Patientenbehandlung mehr an den Medizinischen Universitäten wird zwangsläufig die Folge sein.
Der Kollektivvertrag würde höhere Einstiegsgehälter und bei Qualifikation die Möglichkeit einer Karriere eröffnen; nur so wäre es, wenn überhaupt, möglich talentierte Jungwissenschafter oder
ausgebildete Fachleute an die Universitäten zu bringen und dort zu halten.
“Wenn wir den derzeitigen Weg des Einsparens und Ausquetschens der Beschäftigten weiter gehen, wird es bald in Österreich keine Spitzenmedizin mehr geben” so Prof. Martin Tiefenthaler, der
Vorsitzende des Betriebsrates an der Med. Uni. Innsbruck.
In das gleiche Horn bläst auch Prof. Gerhard Schuhmann, der die Grazer Sicht der Situation wiedergibt: “Die Ausbeutung der MitarbeiterInnen muss ein Ende haben, denn die Konsequenz ist ein Kahlschlag mit dem Verlust der besten Köpfe.”
Der Appell an die scheidende Regierung: Übernehmen Sie noch ein wenig Verantwortung, auch wenn Neuwahlen sind, und geben Sie die zugesagten Mittel für den Kollektivvertrag der Universitäten frei!
(APA, ots) Die Betriebsratsvorsitzenden des wissenschaftl. Personals der MU Wien, MU Innsbruck und MU Graz
Th. Szekeres,
M. Tiefenthaler,
G. Schuhmann





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